Ärzte Zeitung online, 28.08.2009

Achtung: Bunte Pillen nützen Farbenblinden wenig!

MELBOURNE (gwa). Eigentlich ist es eine gute Idee: Verschiedenfarbige Tabletten, Kapseln oder Inhalatoren erleichtern Patienten die Unterscheidung. Allerdings: Farbenblinden Patienten nutzen die verschiedenen Farben oft nichts. Verwechslungen drohen.

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Was Normalsichtigen hilft, nützt Patienten mit Rot-Grün-Fehlsichtigkeit oft wenig: die unterschiedliche Färbung von Tabletten.
A, C: So sehen Normalsichtige die Farben.
B: So sehen Patienten mit Grün-Fehlsichtigkeit die Farben.
D: So sehen Patienten mit Rot-Fehlsichtigkeit die Farben.

Foto: The Lancet

Viele Patienten profitieren von verschieden farbigen Tabletten oder etwa Inhalatoren. Sie können sich daran orientieren, vor allem, wenn sie nicht mehr gut sehen können. Denn dann können sie oft ohne Lesehilfen die Medikamentennamen auf Packungen oder die Bezeichnungen auf den Tabletten nicht mehr wahrnehmen.

Allerdings: Menschen mit Grün-Fehlsichtigkeit (Deuteranopia) oder Rot-Fehlsichtigkeit (Protanopia) können mitunter die Farbunterschiede nicht erkennen. Daran erinnern Professor Barry L. Cole und Dr. Ross W. Harris von der Universität Melbourne in Australien.

In einer Untersuchung mit 100 Menschen mit Farben-Fehlsichtigkeit gaben zwei Prozent an, dass sie schon mal Medikamente verwechselt hatten, weil sie die Farben nicht erkennen konnten (Lancet 374, 2009, 720). Die Autoren schreiben, dass Ärzte und Apotheker nur dann die Farben der Tabletten nutzen sollten, um die Einnahme der Medikamente zu klären ("Eine rote Tablette am Abend"), wenn Patienten Farben normal sehen könnten.

An pharmazeutische Firmen richten die Autoren die Bitte, nur bestimmte Farben für die Produktion etwa von Tabletten oder Inhalatoren zu verwenden. Bei Rot-Grün-Fehlsichtigkeit können Betroffenen zum Beispiel gelb, blau, grau und weiß erkennen.

Insgesamt 8 Prozent der Männer und 0,4 Prozent der Frauen haben nach Angaben von Cole und Harris eine Farben-Fehlsichtigkeit.

Von Deuteranopia und Protanopia sind nach Schätzungen etwa ein Prozent der männlichen Bevölkerung betroffen.

Artikel "Caution: coloured medication and the colour blind"

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