Ärzte Zeitung online, 23.11.2010

USA: Erste Studie mit gezüchteten Netzhautzellen gestartet

SANTA MONICA (ple). In den USA kann jetzt eine Studie mit Netzhaut-Epithelzellen beginnen, die aus humanen embryonalen Stammzellen hergestellt worden sind. Zwölf Patienten mit juveniler Makuladegeneration - auch als Morbus Stargardt bezeichnet - werden an der Phase-I/II-Studie teilnehmen.

Erste Studie mit gezüchteten Netzhautzellen in den USA gestartet

Herstellung von humanen embryonalen Stammzellen ohne die Zerstörung von Embryonen bei ACT.

© ACT

Bei dieser Form der Makuladegeneration werden die RPE*-Zellen der Netzhaut zerstört. Es kommt zu einem meist plötzlichen Sehschärfe-Verlust aufgrund von zentralem Gesichtsfeldausfall. Meist ist nur der Makulabereich betroffen.

Die Erkrankung kann bereits im Alter von sechs Jahren beginnen. Am häufigsten sind 10- bis 20-Jährige betroffen. Bisher gibt es keine Therapiemöglichkeit für diese Kinder und jungen Erwachsenen. In den USA sind etwa 25 000 Menschen an Morbus Stargardt erkrankt, in Deutschland ungefähr 8000.

In der multizentrischen Studie von Wissenschaftlern um Dr. Steven Schwartz am Jules Stein Eye Institute an der Universität von Kalifornien in Los Angeles ist geplant, zwischen 50 000 bis 200 000 der aus embryonalen Stammzellen hergestellten RPE-Zellen in die betroffenen Augen von Stargardt-Patienten subretinal zu implantieren.

Das Zellpräparat stammt von dem Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT) in Santa Monica in Kalifornien. ACT betont, dass in dem Präparat keine embryonalen Stammzellen mehr enthalten sind, die das Risiko für Krebs erhöhen.

Wie das Unternehmen mitteilt, plant es außer der Studie zur juvenilen Makuladegeneration auch eine Studie mit Patienten, die an einer altersbedingten trockenen Makuladegeneration erkrankt sind.

In vielversprechenden Tierversuchen hätten die implantierten RPE-Zellen Photorezeptoren der Netzhaut vor dem Untergang bewahrt, so Dr. Robert Lanza von ACT. Ohne die Zelltherapie wären sie erblindet. Er hoffe, einen solchen Therapieerfolg auch bei Patienten mit Makuladegeneration zu erzielen.

Das in der Studie verwendete RPE-Zellpräparat MA09-hRPE hat bereits seit Anfang des Jahres in den USA den Orphan-Drug-Status.

*RPE: retinal pigment epithelium

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Saufen und Abstinenz fördern anscheinend Prostatakrebs

Ein Glas Wein tut der Gesundheit wohl gut. Aber: Viel- und Nichttrinker bekommen eher Tumore. Wie kommt dieser Widerspruch zustande? mehr »

Mehr Honorar durch Selbstanalyse

Honorarspielräume gibt es auch im EBM - allerdings nur dann, wenn Ärzte einige wichtige Regeln befolgen, sagt ein Abrechnungsexperte. mehr »

Zwischen Schnittwunden und Schnappsleichen

Während Millionen Besucher das 183. Oktoberfest feiern, sichert das Rote Kreuz hinter den Kulissen die medizinische Versorgung. In seiner Notfallambulanz sind bis zu elf Notärzte und 130 Sanitäter im Einsatz. mehr »