Ärzte Zeitung, 23.01.2004

Beim BSE-Versuch auf Riems suchen Forscher Spuren des Erregers

Vor einem Jahr wurden absichtlich 56 Kälber infiziert

GREIFSWALD/RIEMS (dpa). Vor nunmehr einem Jahr infizierten Virologen der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) auf der Ostsee-Insel Riems 56 Kälber mit einer tödlichen Dosis an Hirnstammgewebe britischer BSE-Rinder. Das war der Start für Deutschlands einzigen BSE-Großversuch.

Inzwischen sind 47 der Test-Rinder zu prächtigen Jungtieren herangewachsen. Neun Tiere wurden bereits für die Forschung getötet. Mit dem Experiment wollen die Forscher herausfinden, wie BSE-Erreger vom Magen ins Gehirn gelangen. Dazu werden die infizierten Tiere etappenweise innerhalb von 48 Monaten getötet und seziert, wie der Chef des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger, Dr. Martin Groschup, sagte.

Mehr als drei Jahre nach dem ersten BSE-Fall in Deutschland ist das Wissen über den Erreger noch lückenhaft, die Gefahr nach Aussage der BSE-Experten nicht gebannt. Bislang starben weltweit mindestens 154 Menschen an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK), höchstwahrscheinlich ausgelöst durch den Verzehr von BSE-infiziertem Rindfleisch. In Deutschland ist bisher noch bei keinem Patienten vCJK diagnostiziert worden.

Die Arbeit der BSE-Forscher auf der mit Zäunen gesicherten Insel gleicht einem Puzzle. "Wir haben seit Januar 2003 von den Rindern 38 000 Einzelproben genommen und in der BSE-Probenbank archiviert", so Groschup. BSE-Erreger haben die Forscher bisher in den Proben nicht nachgewiesen.

"Die Inkubationszeit ist lang. Bis zu 60 Monate können bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen. Da sind schnelle Erfolge nicht zu erwarten", dämpft der Präsident der Einrichtung, Dr. Thomas C. Mettenleiter, die Erwartungen. Erste Spuren des Erregers hoffen die Forscher in den vor wenigen Tagen getöteten Rindern zu finden.

Um die Erreger möglichst früh identifizieren zu können, wurden transgenen Mäusen Gewebeproben der Rinder injiziert. Diese Mäuse sind bis zu 10 000 Mal empfänglicher für BSE-Erreger als die Rinder. Parallel zu dem Versuch auf der Riems wird an der Entwicklung von brauchbaren Lebendtests geforscht. So arbeiten bundesweit etwa 15 Arbeitsgruppen an Möglichkeiten, BSE am lebenden Tier nachzuweisen.

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