Forschung und Praxis, 16.02.2004

Ginkgo-Extrakt hat protektive Wirkungen auf die Mitochondrien

Ein wichtiger Baustein im Puzzle um die Ursachen nachlassender mentaler Leistungsfähigkeit im Alter und der Alzheimer-Demenz ist neuen Forschungsergebnissen zufolge die beeinträchtigte Mitochondrienfunktion. Der Ginkgo-Extrakt EGb761 (Tebonin®) wirkt hier protektiv.

Mitochondrien als Energielieferanten der Zellen sind in hoher Zahl im Bereich der Synapsen der Nervenzellen lokalisiert - bei Alzheimer-Patienten ist ihre Zahl jedoch deutlich reduziert. Ein wesentlicher Faktor, der Schädigungen an den Mitochondrien verursacht, ist der sogenannte oxidative Streß, ausgelöst durch besonders reaktive Sauerstoffmoleküle, etwa freie Sauerstoffradikale.

Sauerstoffradikale entstehen bei intrazellulären Stoffwechselprozessen. Zudem gebe es inzwischen viele Hinweise dafür, daß sie auch vermehrt von den bei Alzheimer-Patienten intrazellulär nachgewiesenen ß-Amyloiden freigesetzt werden, erläuterte Privatdozentin Dr. Anne Eckert, Pharmakologin am Biozentrum der Universität Frankfurt am Main bei einer Veranstaltung des Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in Westerland.

Innere Mitochondrienmembran wird stabilisiert

Reaktive Sauerstoffmoleküle schädigen unter anderem die innere Mitochondrienmembran, was zu einer Abnahme des mitochondrialen Membranpotentials führt. Diese Potentialveränderung hat zur Folge, daß weniger ATP (Adenosintriphosphat) produziert wird und somit weniger Energie zur Verfügung steht. In Neuronen ohne funktionsfähige Mitochondrien und Synapsen kommt es zur Apoptose.

Untersuchungen an neuronalen Zellkulturen und isolierten Hirnzellen von Ratten und Mäusen haben nun ergeben, daß der Ginkgo-Extrakt EGb 761 "protektive Effekte auf die Mitochondrien besitzt und somit entscheidend zum Schutz vor Zelltod beitragen kann. Schon in relativ geringen Konzentrationen wird die innere mitochondriale Membran stabilisiert und vor schädlichen Einflüssen geschützt", sagte Eckert.

Der protektive Effekt des Extrakts beruhe dabei auch auf seiner Eigenschaft als Radikalfänger. Und wie neueste Daten belegten, sei Ginkgo auch nach experimenteller Schädigung der Mitochondrien wirksam: Die durch die Schädigung herabgesetzte ATP-Produktion werde wieder deutlich verbessert.

Fazit von Eckert: Die positiven Effekte des Ginkgo-Extrakts EGb761 auf kognitive Störungen - von leichten Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz - lassen sich zum großen Teil auf dessen protektive Wirkung auf die Mitochondrien zurückführen. (mar)

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