Ärzte Zeitung, 01.03.2005

Entwarnung für atypische Neuroleptika

Schlaganfall-Risiko bei modernen Neuroleptika im Vergleich zu älteren nicht erhöht / Studie mit Demenz-Patienten

TORONTO (mal). Die Therapie von Demenz-Kranken mit atypischen Neuroleptika ist - entgegen bestehender Hinweise - wohl mit keinem höheren Apoplexie-Risiko assoziiert als die Therapie mit älteren Neuroleptika. Das hat jetzt die retrospektive Analyse der Daten von fast 33 000 Patienten ergeben.

Zur Erinnerung: Studien mit Risperidon und Daten zur Anwendung von Olanzapin hatten vor Monaten Hinweise auf mögliche zerebrovaskuläre Ereignisse bei Anwendung der Atypika bei älteren Demenz-Patienten gebracht. Eine Untersuchung zur Häufigkeit zerebrovaskulärer Ereignisse bei Atypika im Vergleich zu älteren Neuroleptika lag bisher nicht vor.

In der jetzt publizierten Studie haben die Forscher um Dr. Sudeep S. Gill aus Toronto die Krankenakten von 17 845 Demenz-Kranken ausgewertet, die mit einem atypischen Neuroleptikum (Risperidon, Olanzapin oder Quetiapin) behandelt worden waren, und zusätzlich die Akten von 14 865 Patienten mit älteren antipsychotischen Mitteln wie Haloperidol, Fluphenazin oder Chlorpromazin (BMJ online).

Die Patienten hatten das Antipsychotikum im Median 227 (Atypikum) und 250 Tage (älteres Mittel) eingenommen. In dieser Zeit hatten 284 Patienten mit dem Atypikum (1,6 Prozent) und 227 Patienten mit dem älteren Antipsychotikum (1,5 Prozent) einen ischämischen Schlaganfall bekommen. Mit einer Rate von jährlich 25,5 und 22,3 Schlaganfällen pro 1000 Personen unterschieden sich die beiden Gruppen bei der Apoplexie-Rate nicht.

Dies galt nach Subgruppenanalysen auch für Patienten mit von vornherein erhöhtem Apoplexie-Risiko und differenziert auch für die drei atypischen Neuroleptika Risperidon, Olanzapin und Quetiapin im Vergleich zur Gesamtgruppe der Patienten mit älteren Neuroleptika.

Die Forscher folgern, daß Bedenken wegen eines erhöhten Apoplexie-Risikos die Wahl eines Antipsychotikums nicht beeinflussen sollten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »