Ärzte Zeitung, 14.11.2005

Neue Ansätze für eine verbesserte Therapie gegen Morbus Alzheimer

Blockade eines Serotonin- und eines Histamin-Rezeptors / Studie mit Antidiabetikum

HARLOW (mut). Forscher suchen weltweit intensiv nach neuen Medikamenten gegen Morbus Alzheimer. Einige viel versprechende Substanzen aus seiner Neurologie-Pipeline hat jetzt GlaxoSmithKline (GSK) vorgestellt. Das Unternehmen prüft auch, ob sich das Antidiabetikum Rosiglitazon zur Alzheimer-Therapie eignet.

Kultivierte Nervenzellen aus dem Kortex von Ratten. Synapsen zwischen den Nervenzellen sind als grüne Punkte sichtbar. In einem solchen Kultursystem läßt sich die Wirkung von Substanzen gegen Morbus Alzheimer prüfen. Geeignete Substanzen können die Synapsen in Kultur vor schädlichen ß-Amyloid-Proteinen schützen. Foto: Nick Evans/GSK

Die bisher verfügbaren Alzheimer-Medikamente erhöhen entweder die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin, die bei Alzheimer-Patienten zu niedrig sind, oder sie senken toxische Glutamat-Konzentrationen. Dadurch läßt sich die Progression der Alzheimer-Erkrankung vorübergehend bremsen und stabilisieren.

Ein neuer Ansatzpunkt ist der Serotonin-Rezeptor mit der Bezeichnung 5HT6. Der Rezeptor ist in vielen Hirnstrukturen zu finden, die an Lernprozessen beteiligt sind. In Tierversuchen ließen sich Gedächtnisinhalte besser behalten, wenn der Rezeptor blockiert wurde.

Auch die Aufmerksamkeit wurde durch eine Blockade des Rezeptors erhöht. GSK hat bereits eine Phase-I-Studie mit einem 5HT6-Rezeptor-Blocker erfolgreich abgeschlossen, sagte Dr. Jackie Hunter, Leiterin des Neurologie-Forschungspark des Unternehmens in Harlow in Großbritannien. Die Substanz sei dabei gut vertragen worden. Nun habe man eine Phase-II-Studie mit Alzheimer-Patienten gestartet, so Hunter auf einer Veranstaltung der Unternehmens in Harlow.

Hoffnungen setzt das Unternehmen auch auf eine neue Substanz, die den Histamin-Rezeptor H3 blockiert. Der Rezeptor kontrolliert die Histamin-Freisetzung im Gehirn. Wird er blockiert, schütten Gehirnzellen mehr Histamin aus, aber auch andere Neurotransmitter wie Acetylcholin und Dopamin werden verstärkt freigesetzt. In Tierversuchen ließ sich mit dem H3-Blocker die Lernfähigkeit verbessern. Jetzt wird er in einer Phase-I-Studie geprüft.

Eine klinische Studie mit dem Antidiabetikum Rosiglitazon (Avandia®) bei Alzheimer-Patienten soll noch in diesem Jahr beendet werden, sagte Hunter.

Man weiß, daß bei M. Alzheimer sehr früh der Glucosestoffwechsel im Gehirn gestört ist. Rosiglitazon verbessert die Glukoseaufnahme in die Nervenzellen und könnte so die kognitive Leistung verbessern. Zudem wirkt es auch entzündungshemmend und könnte die Entzündungsprozesse bei M. Alzheimer dämpfen.

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