Ärzte Zeitung, 23.11.2006

Studie zu Alzheimer-Impfung startet

Neuer Versuch mit modifizierter Vakzine / Ermutigende Daten aus der ersten Studie

BERLIN (gvg). Vier Jahre nach dem Abbruch einer großen Phase-II-Studie zur Impfung gegen Morbus Alzheimer kommt es jetzt zu einer Neuauflage. Die Daten der ersten Studie belegen, daß Patienten erheblich profitieren können.

Die Studie mit dem von Wyeth und Elan entwickelten Impfstoff AN1792 wurde vor vier Jahren abgebrochen, weil sechs Prozent der Patienten eine aseptische Meningoenzephalitis bekamen (wir berichteten). Geimpft wurde mit einem aus 42 Aminosäuren bestehenden Fragment des Amyloid beta, dem wichtigsten Bestandteil der Alzheimer-Plaques.

    Nach erfolgreicher Impfung blieb Hippocampus-Volumen konstant.
   

"Die Nachbeobachtung zeigt, daß sich die Erkrankung bei jenen 20 Prozent der Patienten mit ausreichend hohem Antikörpertiter zum Teil bis heute klinisch stabilisiert hat." Darauf wies Professor Christoph Hock von der Uni Zürich auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin hin. Außerdem bleibe das Hippocampus-Volumen, das bei Alzheimer kontinuierlich abnehme, bei erfolgreicher Impfung konstant.

Hock berichtete auch über die ersten Post-mortem-Untersuchungen bei aus anderen Gründen gestorbenen Impflingen: "Wir konnten erstmals zeigen, daß es auch bei Menschen möglich ist, durch eine Immuntherapie die Alzheimer-Plaques weitgehend zum Verschwinden zu bringen", so Hock .

Die Suche nach besser verträglichen Impfstoffen ist in vollem Gang. Kurz vor dem Start steht eine erneut von Wyeth koordinierte Studie mit einem nur noch sieben Aminosäuren langen Amyloid-beta-Fragment. "Wir wollen in wenigen Monaten auch in Deutschland anfangen", sagte Peter-Andreas Löschmann vom Unternehmen. Das Antigen wird mit dem von anderen Impfstoffen bekannten Adjuvans CRM konjugiert, um unerwünschte Wirkungen zu verhindern, die zu einer Meningoenzephalitis führen könnten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »