Ärzte Zeitung, 19.12.2006

Vielfältiger Nutzen von Antidementiva im Alltag

Demenz-Mittel haben auch auf Parameter positive Effekte, die in Studien nicht primäres Zielkriterium sind

BERLIN (mop). Kognition, Alltagskompetenz und klinischer Gesamteindruck sind zentrale Parameter, anhand derer in klinischen Studien die Wirksamkeit von Antidementiva nachgewiesen wird. Zunehmend diskutiert wird, ob dieser anerkannte Wirksamkeitsnachweis in Studien auch den Nutzen im täglichen Leben der Patienten widerspiegelt.

Bei Patienten mit Demenz hilft eine konsequente Pharmakotherapie, den Betreuungsaufwand zu verringern. Foto: klaro

"Alle drei Parameter sind patientennahe Endpunkte, auf die Antidementiva unstrittige und relevante Effekte haben", lautete das Fazit, das Professor Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim aus klinischen Studien zu Antidementiva zog.

Positive Effekte von Antidementiva seien auch bei weiteren funktionalen Endpunkten wie Pflegeheim-Aufnahme und Pflegeaufwand bekannt, so Frölich auf einer Veranstaltung vom Unternehmen Merz beim Psychiatrie-Kongreß in Berlin.

In sechs kontrollierten klinischen Studien, die in einer Metaanalyse ausgewertet worden sind, habe Memantine (Axura®) bei mittelschwerer bis schwerer Demenz jeweils signifikant besser abgeschnitten als Placebo. Das gelte sowohl für die kognitiven Leistungen als auch für die Alltagsaktivitäten, also etwa bei der Frage, ob sich Patienten außerhalb des Hauses zurechtfinden, ob sie ihre persönlichen Sachen finden oder den Müll entsorgen können.

Bei den psychopathologischen Störungen ergaben sich ebenfalls signifikante Effekte von Memantine: Psychotische Auffälligkeiten wie Wahn, Halluzinationen oder Aggression traten seltener auf als mit Placebo.

Besser als Placebo schnitt Memantine auch in einer aktuellen Studie bei 403 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz ab. Die Patienten wurden 24 Wochen lang ambulant behandelt. Beurteilt wurden Kognition, klinischer Gesamteindruck und Verhalten.

Der ADAS-cog-Wert lag nach sechs Monaten mit Verum um 1,9 Punkte niedriger als mit Placebo - die Patienten mit Memantine hatten also geringere kognitive Einschränkungen. Im klinischen Gesamturteil wurden 67 Prozent der Memantine-Gruppe als stabil oder verbessert bewertet im Vergleich zu 51 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Vorteile ergaben sich in Studien mit Memantine zudem bei den Endpunkten Aufnahme in ein Pflegeheim und Betreuungsaufwand. Hier wurden in einer Phase-III-Studie mit 166 Patienten im Therapie-Zeitraum von 28 Wochen fünf Patienten mit Placebo in ein Heim aufgenommen, dagegen nur ein Patient unter Memantine. Der Zeitaufwand für die Betreuung war mit Memantine mit 52 Stunden geringer als mit Placebo. Diese Effekte mache eine Kostenreduktion durch Memantine bei der Betreuung wahrscheinlich, so Frölich.

STICHWORT

ADAS-cog-Test

ADAS-cog steht für "Alzheimer's Disease Assessment Scale Cognitive Subscale". Mit dem Test werden kognitive Fähigkeiten geprüft, etwa das Erinnern von Wörtern, und Sprachverständnis. Die Skala reicht von Null (keine Einschränkungen) bis 70 Punkte (schlechtestes Ergebnis). (eb)

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