Ärzte Zeitung, 28.03.2007

Kranken mit Demenz fehlt im Gehirn Insulin

Amyloid-Abbau durch Enzyme

BERLIN (grue). Bei Alzheimer-Kranken im Frühstadium ist offenbar der zerebrale Glukosestoffwechsel gestört. Hirnperfusion und neuronaler Sauerstoffverbrauch sind aber normal. Es gibt Hinweise, dass ein Insulinmangel im Gehirn die Krankheit auslöst.

Bei der sporadischen Alzheimer-Demenz könnte es sich um eine neuronale Form des Typ-2-Diabetes handeln, sagte Professor Siegfried Hoyer von der Universität Heidelberg bei einem Psychiatrie-Kongress in Berlin. So sei im Alter das Insulin-Angebot im Hirn ohnehin vermindert. Dieser latente Mangelzustand wird bei Alzheimer-Kranken offenbar verstärkt.

Heidelberger Forscher fanden heraus, dass der Insulinmangel bei Alzheimer-Kranken zu einem Unterangebot an Acetylcholin führt. Acetylcholin ist für die Gedächtnisbildung nötig. Außerdem fehlt Cholesterin, das für die Funktion von Zellmembranen wichtig ist. Stattdessen wird verstärkt Beta-Amyloid produziert, der Stoff also, aus dem die charakteristischen Alzheimer-Plaques entstehen. Diese Entwicklung kann durch Amyloid-abbauende Enzyme aufgehalten werden. Aber auch deren Aktivität sei vom Insulin-Angebot abhängig, so Hoyer.

Die Enzyme Neprilysin und LRP-1 bauen Amyloid ab

Ein Team um Professor Jens Wiltfang von der Universität Erlangen hat zwei dieser Enzyme charakterisiert. Sie heißen Neprilysin und LRP-1. Beide gelten als Bindeglieder zwischen zerebralem Glukose- und Proteinstoffwechsel. Wenn der Glukosestoffwechsel im Gehirn gestört sei, könnten die Enzyme nicht mehr richtig arbeiten, sagte Wilftang. Außer der Anhäufung von Amyloid-Peptiden komme es dann auch zur Phosphorylierung des Tau-Proteins.

Aus diesem chemisch veränderten Eiweiß entstehen Neurofibrillenbündel - ein weiteres typisches Merkmal bei Alzheimer-Kranken. Somit hängt die Konzentration der beiden wichtigen Alzheimer-Marker Beta-Amyloid und Tau-Protein vom Glukosestoffwechsel im Hirn ab. Die Bedeutung von Insulin bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz müsse nun weiter untersucht werden, sagte Wiltfang.

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