Ärzte Zeitung, 20.02.2007

Verwirrt und Brille vergessen - dann stürzen alte Menschen besonders oft

Gutes Licht, Hüftprotektoren und Training der Gangsicherheit beugen Stürzen vor

BERLIN (grue). Verwirrtheit und keine Brille auf der Nase - das sind die häufigsten Gründe, weshalb alte Menschen in Kliniken stürzen. Die meisten Stürze passieren tagsüber, so das Ergebnis einer Studie.

Ältere Menschen sind während eines stationären Aufenthaltes besonders sturzgefährdet. Das gilt vor allem für Patienten auf gerontopsychiatrischen Stationen. Dort wird von 13 bis 25 Stürzen pro 1000 Krankenhaustagen ausgegangen. Damit ist die Sturzrate 20mal höher als bei anderen stationär behandelten alten Menschen. Im Zentrum für Gerontopsychia-trie Klinikum Wahrendorff in Hannover wurden jetzt die Sturzereignisse genauer analysiert.

In dieser Klinik haben Ärzte acht Monate lang bei 343 Patienten eine relative Sturzrate von 6,4 pro 1000 Betttagen ermittelt. Insgesamt stürzten 33 Patienten, davon jeder dritte mehr als einmal. "Die gestürzten Patienten waren im Vergleich zu den anderen älter und hatten häufiger eine Demenz oder ein Delir", sagte Diplom-Psychologin Erika Blitz aus Hannover. Jeder zweite der gestürzten Patienten war desorientiert.

"Die Sturzgefahr war in der Mittagszeit am höchsten", sagte Blitz auf einem Psychiatrie-Kongress in Berlin. "Und die meisten Patienten stürzten im eigenen Zimmer aus dem Stand heraus". Die Gefahr, nachts aus dem Bett zu fallen oder im Bad zu stürzen, war dagegen geringer als erwartet. "Auffällig war auch, dass die gestürzten Patienten fast zur Hälfte ihre Brille nicht getragen haben", so Blitz.

Das Klinikum will aus der Sturzanalyse Konsequenzen ziehen. So sollen Patienten mit Demenz oder Delir besonders geschützt werden. Hilfreich seien Hüftprotektoren und Übungen zur Gangsicherheit. Auch besseres Licht dient der Sturzprophylaxe, sagte Blitz. Außerdem sollte bei erhöhtem Risiko möglichst auf sedierende Medikamente verzichtet werden, empfahl die Psychologin.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »