Ärzte Zeitung, 15.05.2007

Abrupter Beginn ist typisch für eine vaskuläre Demenz

Erste Demenz-Symptome kurz nach Apoplex oder TIA sind oft vaskulär bedingt / Tipps für die Differenzialdiagnose

MANNHEIM (skh). Eine vaskuläre Demenz klinisch von einer Alzheimer-Demenz abzugrenzen, kann Schwierigkeiten bereiten. Typisch für eine vaskuläre Demenz ist ein abrupter Beginn mit stufenweiser Verschlechterung. Bei Alzheimer-Kranken beginnen die Symptome dagegen schleichend und verschlechtern sich allmählich.

Mit Tests wie dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) lassen sich Störungen von zeitlicher und räumlicher Orientierung sowie der Sprache gut erfassen. Foto: do

In der Anamnese sei es deshalb wichtig, die Patienten oder ihre Angehörigen zu fragen, ob in der Vergangenheit Schlaganfälle aufgetreten sind. Besonders bei Patienten, die in den ersten drei Monaten nach einem Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) Demenz-Symptome bekommen, seien vaskuläre Ursachen wahrscheinlich, so Professor Matthias Endres von der Charité Berlin beim Kardiologen-Kongress in Mannheim. Das sei auch in den diagnostischen Kriterien nach ICD-10 berücksichtigt.

Ein erhöhtes Risiko für vaskuläre Demenz besteht auch bei Bluthochdruck: mit jeder langfristigen Erhöhung des Blutdrucks um 1 mmHg steigt das Risiko, im höheren Alter an Demenz zu erkranken, um ein Prozent (JAMA 274, 1995, 1846).

Die Leitsymptome bei vaskulärer Demenz seien Antriebsstörungen, motorische Verlangsamung und depressive Symptome. Die im Frühstadium bei Alzheimer-Demenz typischen Gedächtnisstörungen träten bei vaskulärer Demenz oft erst in späteren Stadien auf, so Endres.

Diagnostisch ließen sich die Störungen von zeitlicher und räumlicher Orientierung sowie der Sprache am besten mit Tests wie dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfassen. Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose seien CT und MRT Standard.

Bisherige Studien weisen darauf hin, dass die zur Therapie bei Morbus Alzheimer zugelassenen Cholinesterasehemmer Donezepil, Galantamin und Rivastigmin auch bei vaskulärer Demenz Nutzen bringen. Etwa 16 Prozent aller Demenz-Kranken haben eine vaskuläre Demenz, 60 Prozent eine Alzheimer-Demenz. Häufig sind außerdem Mischformen.

STICHWORT

Mini-Mental-Test

Einer der bekanntesten Demenz-Tests ist der Mini-Mental-Status Test. Werden die standardisierten Aufgaben zur zeitlichen und räumlichen Orientierung, zu Erinnerung, Aufmerksamkeit, Sprache und Kopfrechnen richtig gelöst, können maximal 30 Punkte erreicht werden. Der Test dauert etwa zehn Minuten. Ausführlichere Checks werden empfohlen bei 26 oder weniger Punkten. (mut)

Den Mini-Mental-Status-Test gibt es bei Herstellern von Antidementiva, aber auch bei der Testzentrale Göttingen, Robert-Bosch-Breite 25, 37079 Göttingen, Tel.: 05 51 / 50 68 80, Fax: - 506 88 24)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »