Ärzte Zeitung, 19.11.2007

Ohne CT oder MRT geht heute in der Demenz-Diagnostik nichts mehr

Vorstufen einer Demenz mit MRT erkennbar / Amyloid-Plaques mit PET nachweisbar

DÜSSELDORF (sir). Für die Differenzialdiagnose bei Erkrankungen mit kognitiver Beeinträchtigung wird die strukturelle Bildgebung immer wichtiger. Das ist in der Veranstaltung "Demenz - Früherkennung und neuester Stand der Therapie" auf der Medica deutlich geworden.

Bei einigen Demenz-Formen ist eine Behandlung möglich. Daran hat Professor Tilmann Wetterling vom Vivantes-Klinikum in Berlin erinnert. Das gelte bei Morbus Alzheimer, an dem etwa 60 Prozent der Demenz-Patienten erkrankt seien, oder bei vaskulären Demenzen (20 Prozent). Das gelte aber auch bei Normaldruck-Hydrozephalus, depressiver Pseudodemenz und Hypothyreose. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie sei jedoch immer eine frühe und sichere Diagnose.

"Die moderne Bildgebung ist dabei eine wichtige Entscheidungshilfe", betonte Professor Konrad Maurer vom Universitätsklinikum in Frankfurt/Main.

Als obligat bezeichnete Maurer die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Sie seien bei den meisten Patienten aussagekräftig. Sogar mögliche Vorstufen einer Alzheimer-Demenz würden mit der MRT sichtbar gemacht. 10 bis 15 Prozent der älteren Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, auch MCI genannt, entwickeln in den darauf folgenden Jahren eine Demenz, wie Maurer erläuterte. Das zeichne sich in der MRT schon früh als mediale Temporallappen-Atrophie ab.

Ebenfalls durch eine Untersuchung per Magnetresonanztomografie könnten subkortikale hyperintense Läsionen, so genannte "weiße Flecken", erkannt werden. Diese seien charakteristisch, wenn auch nicht spezifisch für vaskuläre Demenz-Formen.

Aber auch die aufwändigeren bildgebenden Verfahren wie die SPECT-Photometrie und die Positronen-Emissions-Tomografie, die PET, haben ihren Platz in der Demenz-Diagnostik, sagte Maurer. Mit ihnen ließen sich zum Beispiel eine Multi-Infarkt-Demenz oder eine fronto-temporale Demenz (Morbus Pick) nachweisen. Auch könnten mit Positronen-Emissions-Tomografie (PET) die Amyloid-Beta-Plaques bei Patienten mit Morbus Alzheimer in vivo nachgewiesen werden.

STICHWORT

Sekundäre Demenz

Zu den sekundären Demenz-Formen, die bei der Demenz-Diagnostik auszuschließen sind, gehören auch:

  • eine Hypothyreose (vor allem Hashimoto-Thyreoiditis). Sie kann zu rasch progredienter Demenz führen
  • Infektionskrankheiten wie Borreliose, Lues oder HIV
  • eine Medikamenten-induzierte Hyponatriämie etwa durch Diuretika, Antiepileptika oder gelegentlich durch ACE-Hemmer (mut)

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