Ärzte Zeitung, 26.05.2008

Pflege Alzheimer-Kranker macht Angehörige selbst krank

Umfrage: Etwa 20 Prozent der pflegenden Angehörigen haben psychische Störungen

BERLIN (mal). Über die Hälfte der Alzheimer-Kranken lebt zuhause. Jeder fünfte pflegende Angehörige hat psychische Störungen, etwa depressive Episoden, die eine Therapie erforderlich machen. Und: Eine konsequente antidementive Therapie kann sich positiv auf die Lebensqualität der Angehörigen sowie deren Betreuungsaufwand auswirken.

Ein Mann betreut seine demenzkranke Frau. Viele Angehörige sind mit der Pflege von Alzheimer-Patienten überlastet und bekommen Depressionen.

Foto: dpa

Das sind Ergebnisse der Initiative PAULA, die kürzlich in Berlin vorgestellt worden sind. PAULA steht für "Patienten- und Angehörigen-Unterstützung im Leben mit Alzheimer". Die Initiative ist vom Unternehmen Janssen-Cilag gestartet worden, um Alzheimer-Patienten und ihre Angehörigen nach der Demenz-Diagnose gezielt zu unterstützen.

Jeder zweite Patient wird von Angehörigen betreut

In einer ersten Phase der Initiative sind im vergangenen Herbst an 850 niedergelassene Neurologen und Psychiater Fragebögen verteilt worden, um die Situation von Alzheimer-Kranken und ihren Angehörigen zu erfassen (wir berichteten). Die Antworten von 637 Ärzten zu über 58 000 Alzheimer-Patienten wurden ausgewertet.

Danach haben die meisten (41 Prozent) der von den Kollegen betreuten Alzheimer-Patienten eine mittelschwere Demenz, 27 Prozent sind leicht, 32 Prozent schwer erkrankt. 49 Prozent der Patienten leben in einem Haushalt mit Angehörigen, 40 Prozent werden in einem Heim versorgt, die übrigen leben allein. Bereits bei Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz müssten die Angehörigen täglich etwa zwei Stunden für die Betreuung aufwenden.

Jeder fünfte Angehörige hat Kontakt zu Selbsthilfegruppen Diese Belastung kann wiederum schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Etwa 20 Prozent der Angehörigen von Alzheimer-Patienten müssten aufgrund psychischer Störungen, etwa Depressionen, selbst medikamentös behandelt werden. Etwa 21 Prozent nähmen mit einer Selbsthilfegruppe Kontakt auf, so das Unternehmen.

Bei der Bewertung der vier für die Therapie von Alzheimer-Patienten zugelassenen Wirkstoffe sei Galantamin (Reminyl®) von den meisten beurteilenden Kollegen als die bei mittelschwerer Alzheimer-Demenz insgesamt am besten wirksame Medikation bewertet worden, so das Unternehmen. Die positive Wirkung auf die Lebensqualität der Angehörigen sowie deren Betreuungsaufwand sei nach Ansicht der meisten befragten Ärzte bei Galantamin am besten dokumentiert. Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen habe in seiner Bewertung der Cholinesterase-Hemmer bei Patienten mit Alzheimer-Demenz bestätigt, dass Galantamin nicht nur auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Fähigkeiten, im Alltag zurecht zu kommen, wirke, sondern dass es auch Hinweise auf günstige Effekte auf psychopathologische Symptome, auf die Lebensqualität der betreuenden Angehörigen und auf den Betreuungsaufwand gebe.

STICHWORT

Initiative PAULA

PAULA - das steht für "Patienten- und Angehörigen-Unterstützung im Leben mit Alzheimer" - ist eine Initiative von Janssen-Cilag. Sie hat das Ziel, die Versorgung von Alzheimer-Patienten und so auch die Situation pflegender Angehöriger zu verbessern. In einer ersten Phase vom September bis Dezember 2007 sind dafür 850 Fachärzte befragt worden. In einer zweiten Phase vom Januar bis August 2008 werden Angehörige von neu diagnostizierten Alzheimer-Patienten zwölf Wochen lang ein Tagebuch führen und eine Einschätzung ihrer eigenen Lebensqualität und des Betreuungsaufwandes vornehmen. Ein Gesundheitscoach unterstützt die Angehörigen. Während der zwölfwöchigen Erhebungsphase nimmt der Coach sechsmal Kontakt mit den Angehörigen auf. Er kann auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen herstellen.

(mal)

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