Ärzte Zeitung online, 19.11.2008

Demenz-Prävention: Ginkgo-Therapie war in einer Studie nicht effektiv

PITTSBURGH (eb). Eine Therapie mit einem Extrakt aus Ginkgo biloba kann zwar die kognitiven Fähigkeiten bei Menschen mit und ohne Demenz bessern (wir berichteten). In einer jetzt veröffentlichten Studie ließ sich eine Demenz damit aber nicht verhindern.

US-Forscher aus Pittsburgh hatten in einer prospektiven Studie mit knapp 3070 Menschen im Alter von über 75 Jahren die Hälfte der Teilnehmer mit Ginkgo-Extrakt (240 mg/Tag), die andere Hälfte mit Placebo behandelt. Die meisten der Teilnehmer hatten zu Studienbeginn keine kognitiven Probleme, etwa ein Sechstel hatte bereits leichte kognitive Einschränkungen (MCI, mild cognitive impairment), aber keine Demenz.

Insgesamt kam es während der Behandlungszeit von im Median 6,1 Jahren in der Placebogruppe bei 246 Teilnehmern zu einer Demenz, in der Ginkgo-Gruppe war die Zahl mit 277 Teilnehmern etwas höher, der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Wurden nur die Patienten mit MCI betrachtet, so gab es ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen Placebo- und Ginkgo-Therapie, heißt es heute in der Zeitschrift JAMA (19, 2008, 2253).

Auch eine Alzheimer-Demenz trat sowohl in der Ginkgo- als auch in der Placebogruppe ähnlich häufig auf. Die Forscher schließen daraus, dass es zumindest für einen Therapiezeitraum von sechs Jahren keinen Hinweis auf einen Demenzschutz durch Ginkgo gibt.

In einer Stellungsnahme weist das Unternehmen Dr. Willmar Schwabe darauf hin, dass die Studie mit der Bezeichnung GEM (Ginkgo Evaluation Memory) lediglich eine von fünf Untersuchungen zur Demenzprävention mit Ginkgo-Extrakten ist. Verwendet wurde in der GEM-Studie der Ginkgo-Extrakt EGb 761® des Unternehmens. Er ist in Deutschland als Tebonin® erhältlich. "Die Ergebnisse der GEM Studie erlauben keine abschließende Bewertung des möglichen Nutzens unseres Ginkgo-Spezialextraktes EGb 761 zum Schutz vor einer Demenz", so Professor Michael Habs, Geschäftsführer bei Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel.

Professor Siegfried Kasper von der Universität Wien ergänzt in der Stellungsnahme des Unternehmens: "Bis heute gibt es keine Arzneimittel zur Vorbeugung einer Demenz, alle Ansätze sind leider gescheitert. Dies gilt sowohl für zugelassene Demenzmedikamente wie auch für andere Wirkstoffe wie Aspirin, Vitamin E, Hormone oder nichtsteroidale Antirheumatika. Aber es ist wichtig, dass Patienten, die bereits eine kognitive Beeinträchtigung aufweisen, behandelt werden müssen. Für EGb 761® konnte eine Verbesserung von Gedächtnisleistungen und Konzentration bereits bei Menschen ab 45 Jahren mit beginnenden Beeinträchtigungen gezeigt werden."

Lesen Sie dazu auch:Ginkgo stärkt Gedächtnis auch bei GesundenGinkgo bessert Verhalten von Demenzkranken

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