Ärzte Zeitung online, 16.02.2009

Enzym schützt vor Alzheimer

MAINZ (eb). Das Enzym Alpha-Sekretase fungiert offenbar als körpereigener Schutz vor Alzheimer-Demenz. Insbesondere die Aktivität des Enzyms schützt vor den Plaques, fanden jetzt Wissenschafter der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz heraus.

Alpha-Sekretase ist ein körpereigenes Enzym, das im Gehirn in den Nervenzellen vorkommt und dort einen bestimmten Eiweißstoff spaltet. Dabei entsteht ein lösliches Protein-Fragment, das das Wachstum von Nervenzellen fördert und so der Alzheimererkrankung vorbeugt. Wird dagegen das Enzym Beta-Sekretase aktiv, dann nimmt eine Reaktionskette ihren Lauf, die schließlich zu der Erkrankung mit dem meist vollständigen Gedächtnisverlust führt.

"Die Alpha-Sekretase ist sozusagen das schützende Enzym, die Beta-Sekretase das schlechte", resümiert Professor Falk Fahrenholz. Er will nun herausfinden, wie sich das gute Enzym aktivieren lässt oder sein Vorkommen im Gehirn erhöht werden kann. (JAD, 16, 2009, online vorab)

Zu diesem Zweck haben sein Team und dessen Kooperationspartner untersucht, ob der positive Effekt der Alpha-Sekretase auf seiner enzymatischen Aktivität beruht oder ob andere Eigenschaften des Enzyms für die Schutzwirkung verantwortlich sind. Fahrenholz und seine Kollegen haben bei ihren Untersuchungen an transgenen Mäusen nun festgestellt, dass allein die enzymatische Aktivität die Schutzfunktionen garantiert. Wird diese Aktivität abgeschaltet, zeigen die Labormäuse genau die Defizite, die für die Alzheimerkrankheit typisch sind: verminderte Lernfähigkeit, schlechte Gedächtnisleistung und Ablagerung von Plaques. Die enzymatische Aktivität der Alpha-Sekretase könnte also ein Ansatzpunkt für künftige Therapien darstellen.

Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler in ihren Experimenten bestätigen, dass nicht die Plaques-Ablagerungen selbst für die nachlassende Gedächtnisleistung verantwortlich sind. In den Plaques sammeln sich nur die zellschädigenden Stoffe, die in Lösung die Synapsen der Nervenzellen zerstören. "Es ist wichtig, dass man nicht nur die Plaques im Auge hat, sondern vor allem ihre Vorstufen genau betrachtet, die die eigentlichen Verursacher der Krankheit sind", so Fahrenholz.

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