Ärzte Zeitung online, 19.02.2009

Projekt: Alzheimer-Prävention mit Stoffen aus der schwarzen Johannisbeere

BREMERHAVEN (eb). Eine gesunde Ernährung kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Alzheimer-Demenz leisten. Eine besondere Rolle spielen dabei Nahrungsmittel mit neuroprotektiver Wirkung, etwa die schwarze Johannisbeere. Dazu forschen jetzt Wissenschaftler der ttz Bremerhaven und acht Partner im EU-Projekt "Brainhealthfood".

Obwohl die Wirkungsweisen der Demenzerkrankung noch nicht vollständig erforscht sind, sprechen viele Anzeichen für eine starke oxidative Belastung der Gehirnregion. Auslöser dafür sind lipide Peroxidationen, die Bildung freier Radikaler und amyloider Betaproteine. Aktuelle epidemiologische Ergebnisse legen nahe, dass eine vielseitige, phenolreiche Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung verringern kann. Der regelmäßige Genuss von Nahrungsmitteln mit neuroprotektiver Wirkung kann mittel- bis langfristig das Gesundheitssystem entlasten.

Derzeit gibt es kein Produkt auf Basis schwarzer Johannisbeeren im Functional Food-Sortiment. Um diese Lücke kostengünstig zu schließen, sollen Reststoffe der Saftproduktion als Rohstoff dienen. Diese sind bereits zu einem Tonnenpreis von 300 bis 500 Euro erhältlich - ein Siebtel des Preises für alternative Rohstoffquellen.

Die Ermittlung wirtschaftlicher Methoden für die Rückgewinnung bioaktiver Wirkstoffe wird das ttz Bremerhaven leisten. "Jeder Rohstoff stellt spezifische Bedingungen an die Extraktion. Wir werden im Frühjahr Testreihen starten, um das beste Verfahren für die schwarze Johannisbeere zu ermitteln. Dafür sind sowohl die Qualität des Endproduktes und ihre Lagerstabilität, aber auch der Zeit- und Energieaufwand der Methode entscheidend," so Projektleiterin Marie Bildstein vom ttz Bremerhaven in einer Mitteilung.

Neben der Untersuchung der Inhaltsstoffe, ihrer Qualität und der gesundheitsfördernden Wirkung leisten die Projektpartner Schützenhilfe bei der Produktentwicklung und Vermarktung. Dieses Know-how über die Verarbeitung bioaktiver Inhaltsstoffe der schwarzen Johannisbeere zu Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Non-Food-Produkten wird an kleine und mittelständische Unternehmen weitergegeben. Bei den glänzenden Wachstumsperspektiven des Marktes für diese "Nutriceuticals" (nutrient plus pharmaceutical, ein Nährstoff mit pharmazeutischer Wirkung) können sie ihre Position im globalen Wettbewerb stärken.

Die Europäische Union fördert das Projekt "Brainhealthfood" mit 870 000 Euro für zwei Jahre.

Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts von 2006 haben in Deutschland rund 700 000 Menschen eine Alzheimer-Demenz. Da besonders über 65-Jährige von der Krankheit betroffen sind, wird die Finanzierungsfrage angesichts der demografischen Entwicklung zum gesellschaftlichen Zündstoff. Für das Jahr 2050 wird eine Zahl von 2,6 Millionen Alzheimerpatienten in Deutschland prognostiziert. Das entspricht einem mittleren Anstieg der Patientenzahlen um 35 000 pro Jahr (Quelle: Deutschen Alzheimergesellschaft, Informationsblatt "Selbsthilfe Demenz", 06/2008).

In den USA werden die Kosten für Pflege und medikamentöse Behandlung von Alzheimerpatienten auf mehr als 100 Milliarden Dollar geschätzt.

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