Ärzte Zeitung online, 09.06.2009

Neue Erkenntnisse über die Verbreitung der Alzheimerkrankheit im Gehirn

BASEL(eb). Forscher aus Basel haben erstmals im Modell gezeigt, wie sich bestimmte Protein-Ablagerungen bei der Alzheimerkrankheit im Gehirn ausbreiten. Obwohl sie dabei auf Parallelen zu Prionen-Erkrankungen gestoßen sind, halten sie eine Übertragbarkeit der Alzheimerkrankheit für eher unwahrscheinlich.

Im Gehirngewebe von Alzheimer-Patienten finden sich zwei Hauptveränderungen: einerseits Plaqueablagerungen außerhalb der Nervenzellen und anderseits Neurofibrillenveränderungen innerhalb der Nervenzellen, die aus abnorm gefaltetem Tau-Eiweißbestehen. Diese Tau-Veränderungen treten zuerst im Hippocampus auf und breiten sich nach einem erstaunlich stereotypen Muster auf weitere Hirnregionen aus, was mit zunehmendem Gedächtnisverlust der Patienten einhergeht. Unklar blieb bislang, wie die an einem bestimmten Ort im Gehirn beginnenden Tau-Veränderungen von Nervenzelle zu Nervenzelle auf andere Hirnregionen übergreifen.

Anhand eines transgenen Mausmodells ist es der Forschergruppe um Professor Markus Tolnay aus Basel gelungen, erste Antworten darauf zu geben. Dafür spritzten sie Hirnextrakte von sogenannten Alzheimermäusen, die Tau-ähnliche Ablagerungen wie bei der Alzheimerkrankheit aufweisen, in den Hippocampus von jungen, gesunden Empfängermäusen. Bei diesen entwickelten sich am Injektionsort erstaunlicherweise bereits nach einem halben Jahr erste Tau-Veränderungen. Zusätzlich breiteten sich die Tau-Ablagerungen in ihrem Gehirn nach ähnlich stereotypem Muster aus, wie es von Alzheimer-Patienten bekannt ist (Nature Cell Biology, online vorab, Juni 2009).

Unlängst veröffentlichte Zellkulturexperimente haben zudem gezeigt, dass abnorme Tau-Aggregate von Zellen aufgenommen werden können, sodass eine Übertragung abnorm gefalteten Tau-Proteins von Zelle zu Zelle wahrscheinlich erscheint.

Die Resultate der Basler Forscher legen die Vermutung nahe, dass die Alzheimerdemenz übertragbar sein könnte, da sie Parallelen zu den Prionenerkrankungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder dem "Rinderwahnsinn" aufweist. Doch laut ihren Erkenntnissen ist eine infektiöse Übertragung der Alzheimerkrankheit wohl eher unwahrscheinlich: Die Übertragung der Tau-Ablagerungen von einer Spendermaus auf eine Empfängermaus in einem sehr künstlichen experimentellen Umfeld lässt einen direkten Vergleich zu Prionenerkrankungen derzeit noch nicht zu. Trotzdem lassen die Resultate vermuten, dass in der ursächlichen Krankheitsentstehung - besonders bei der Auslösung der abnormen Eiweißfaltung - mehr Ähnlichkeiten zwischen der Alzheimerkrankheit und den Prionenerkrankungen bestehen als bisher angenommen.

Zum Abstract der Originalpublikation "Transmission and spreading of tauopathy in transgenic mouse brain"

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