Ärzte Zeitung online, 20.08.2009

Neue Arzneimittel aus Reisabfällen

FRANKFURT/MAIN (eb). Deutsche und ägyptische Forscher wollen aus Reiskleie, die bei der Reisproduktion anfällt, neue Wirkstoffe gegen Demenz, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte entwickeln.

zur Großdarstellung klicken

Foto: Franz Pfluegl ©www.fotolia.de

Während der Produktion von weißem Reis, der weltweit wichtigsten Grundnahrung, wird die nährstoffreiche Reiskleie abgeschält. Das gesundheitsfördernde Potenzial dieses an Vitaminen und Mineralstoffen reichen Abfallprodukts ist bisher kaum erforscht. Dank eines Projektvorschlags des Pharmakologen Professor Walter E. Müller von der Frankfurter Goethe-Universität untersucht nun eine deutsch-ägyptische Forscherkooperation, welche pflanzlichen Arzneimittel sich aus Reiskleie gewinnen lassen. Wie die Uni Frankfurt mitteilt, erwarten die Forscher, durch die Veredelung des Abfallproduktes neue Wirkstoffe gegen Demenz, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte zu finden. Von diesen Zivilisationskrankheiten sind inzwischen auch in Ägypten immer mehr Menschen betroffen.

In Ägypten und den meisten Reis anbauenden Ländern dient Reiskleie vornehmlich als Tierfutter oder sie wird verbrannt - was zur Erntezeit vor allem in Kairo regelmäßig zu erheblicher Luftverschmutzung führt. Dass bis heute nur wenige gesundheitsfördernde Produkte aus Reiskleie vermarktet werden, liegt daran, dass Reiskleie an der Luft schnell ranzig wird. Um herauszufinden, ob es sich lohnt, das Produkt durch Veredelung zu stabilisieren, erforscht das Team unter der Federführung der Universität Kairo, welche biomedizinischen Anwendungen die Reiskleie und ihre Inhaltsstoffe haben. Interessant sind vor allem Tocotrienole, also Vitamin E-Derivate, die in Modellen auf neuroprotektive Eigenschaften getestet werden. Die Forscher versprechen sich davon auch, dass die Substanzen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und Diabetes lindern können.

In der inzwischen etablierten Kooperation untersuchen die Pharmazeuten der Goethe-Universität in Frankfurt, inwieweit Reiskleie und ihre Inhaltsstoffe das Gehirn schützen, die Universitäten Kairo und Münster erforschen mögliche Effekte auf den Zucker- und Cholesterinstoffwechsel.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »