Ärzte Zeitung online, 07.01.2010

Handystrahlen verhindern bei Mäusen Alzheimer

TAMPA (dpa). Handystrahlen haben in einem US-Labor bei Mäusen Alzheimer verhindert - und bei bereits erkrankten Tieren das Hirnleiden gelindert. Bei gesunden Mäusen verbesserte die Strahlung zudem das Erinnerungsvermögen.

Über dieses überraschende Ergebnis berichten Mediziner der University of South Florida in Tampa (Journal of Alzheimer's Disease 19, 2009, 191). Wie die Gesundheitseffekte ausgelöst würden, sei noch nicht genau bekannt, schreiben die Ärzte um Dr. Gary Arendash. Dennoch halten sie ihre Ergebnisse auch für den Menschen für relevant.

Die Wissenschaftler vom Alzheimer-Forschungszentrum der Universität hatten knapp 100 Mäuse in ihre Tests einbezogen. Die meisten davon waren "Modell-Mäuse" für Alzheimer, also genetisch veränderte Tiere, in deren Gehirn sich die typischen Ablagerungen des Peptids Beta-Amyloid bilden. Die Mäuse saßen in Käfigen, die um eine Antenne gruppiert waren. Sie sandte eine für Mobiltelefone übliche elektromagnetische Strahlung mit einer Frequenz von 918 Megahertz aus - jeweils für zweimal eine Stunde täglich, sieben bis neun Monate lang. Die Dosis von 0,25 Watt pro Kilogramm habe jener entsprochen, die bei ans Ohr gehaltenem Handy auf das menschliche Gehirn einwirke, berichten die Mediziner.

Bei jungen, noch nicht erkrankten Tieren bildeten sich - anders als normalerweise - während des Versuchs keine Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn, zeigten Analysen. Verhaltenstests machten deutlich, dass ihre kognitiven Fähigkeiten vollständig erhalten blieben. Bei älteren Tieren mit Alzheimer stellten die Ärzte fest, dass sie bei Leistungstests nach der mehrmonatigen Bestrahlung ebenso gut abschnitten wie völlig gesunde Mäuse. Im Hirn fanden sich weniger Ablagerungen.

Und das war noch nicht alles: Setzten die Ärzte gesunde, genetisch nicht veränderte Mäuse den elektromagnetischen Wellen aus, schnitten diese anschließend besser bei den Gedächtnis-Tests ab als zuvor.

Es sei anzunehmen, dass die Ergebnisse auch für den Menschen relevant seien, betonen die Forscher. Möglicherweise ergebe sich eine neue, effektive Alzheimer-Therapie. Die Ursache der Effekte müsse allerdings noch weiter erforscht werden. Nachgewiesen sei bisher nur, dass sich die Temperatur des Gehirns von Alzheimer-Mäusen im Versuchsverlauf leicht erhöhte. Der Temperaturanstieg unterstütze möglicherweise die Ablösung der schädlichen Ablagerungen, nehmen die Forscher an.

Die gestiegenen Hirnleistungen gesunder Tiere erklären die Mediziner damit, dass durch die Strahlung die Aktivität der Hirnzellen angeregt werde, der Blutfluss und der gesamte Energieumsatz seien höher. Die exakten Mechanismen seien aber noch unklar, geben die Forscher zu bedenken. Dass die möglichen positiven Effekte der Handystrahlung auf das Gedächtnis bislang verborgen blieben, könnte ihnen zufolge daran liegen, dass es noch keine Langzeitstudien dazu gegeben habe, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Zur Studie "Electromagnetic Field Treatment Protects Against and Reverses Cognitive Impairment in Alzheimer's Disease Mice"

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[07.01.2010, 10:48:32]
Gabriele Wagner 
Link führt nicht zum Ziel
Sehr geehrter Herr Schütte,
danke für Ihren Hinweis auf den fehlführenden Link; ich haben ihn vorübergehend entfernt, bis die Zeitschrift sich in der Lage sieht, die Studienzusammenfassung online zu stellen.

Wie kann es eigentlich passieren, dass solche fehlführenden Links online gehen? Testen die bei der Ärzte Zeitung nicht?

In der Tat ist es ärgerlich für Leser, wenn sie nicht zum Ziel kommen. Deshalb testen wir alle Links, die online gehen - sofern das möglich ist. Manchmal können wir Links zunächst nicht testen, wie bei diesem Artikel. Die Meldung kam bereits am 6. Januar, hatte aber eine Sperrfrist für den 7. Januar. In solchen Fällen geben die entsprechenden Fachzeitschriften eine DOI-Nr. (Digital Object Identifier)an, die nach Ablauf der Sperrfrist zu dem entsprechenden Artikel führen. Solche Links sind vorab leider nicht zu pprüfen. In der Regel ist auf die Zeitschriften Verlass, die Links funktionieren praktisch immer - Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wir entschuldigen uns für diesen fehlführenden Link, und wir werden den Link wieder frei schalten, wenn er funktioniert.

Beste Grüße
Gabriele Wagner
Ressortleiterin Newsroom / Online
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[07.01.2010, 07:48:47]
Günter Schütte 
Der Link führt nicht zum Abstract der Studie
Der Link führt nicht zum Abstract der Studie, er zeigt das "Journal of Alzheimer's Disease", aber nicht einmal die o.g. Ausgabe aus dem Jahre 2010 ist dort dabei.

Vielleicht sollte man in solchen Fällen besser auf eine Linkangabe verzichten, man stiehlt dem Leser doch nur Zeit, die er mit nutzlosem Suchen verbringt!  zum Beitrag »

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