Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 26.02.2010

Die Lage eines Patienten im Bett sagt etwas über seine Hirnleistung aus

LEIPZIG/WÜRZBURG (eb). Wissenschaftler der Universität Leipzig und Würzburg machten eine skurrile Entdeckung: Je schiefer sich ein Patient in sein Bett legt, desto schwerer könnte der Grad seiner kognitiven Beeinträchtigung sein.

Die Lage eines Patienten im Bett sagt etwas über seine Hirnleistung aus

Diese Patientin liegt ziemlich am Rand des Bettes. © ampyang / fotolia.com

Wenn eine Schräglage beim Patienten festgestellt wird, kann eine Demenz oder ein Vorstadium der Demenz vorliegen. Das Besondere ist, dass der behandelnde Arzt noch vor der Anwendung spezieller Testverfahren aus der bloßen Beobachtung des spontanen Verhaltens eines Patienten einen Hinweis darauf erhält, dass die kognitive Leistungsfähigkeit des Patienten beeinträchtigt sein könnte. So können neue diagnostische Überlegungen gezielter und Behandlungsmöglichkeiten früher eingeleitet werden.

Professor Joseph Claßen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, und sein Team führen die Schräglage auf eine räumliche Orientierungsstörung zurück, die es den Betroffenen unmöglich macht, sich selbst in einem umgrenzten Raum zu positionieren. Für die Erhebung wurden die Patienten gebeten, sich aus dem Sitzen heraus in ihr Bett zu legen. Um den Grad der kognitiven Störung zu ermitteln, führten die Spezialisten drei etablierte neuropsychologische Testverfahren durch, den Mini-Mental-Screeningtest, DemTect-Test und Uhrzeichentest. Das Resultat war eindeutig: Der Grad der Schieflage und die Schwere der Beeinträchtigung standen miteinander in enger Beziehung. Je schiefer sich jemand hinlegt, desto stärker ist demnach auch seine kognitive Leistungsfähigkeit gestört. Die Fähigkeit, den eigenen Körper in einem äußeren gegebenen Rahmen zu positionieren, ist offenbar auch schon in Vorstadien einer Demenz eingeschränkt (British Medical Journal 339, 2009, b5273).

Zum Abstract der Originalstudie: "Lying obliquely—a clinical sign of cognitive impairment: cross sectional observational study"

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