Ärzte Zeitung online, 17.03.2010

Noradrenalin beeinflusst den Verlauf der Alzheimer-Krankheit

BONN (eb). Der Neurotransmitter Noradrenalin verringert im Gehirn Entzündungsreaktionen. Das konnten Forscher der Uni Bonn in einer aktuellen Studie zeigen. Das Ergebnis könnte einen neuen Ansatzpunkt liefern, um den Krankheitsverlauf von Morbus Alzheimer zu verzögern.

Noradrenalin wird im Gehirn überwiegend im Locus coeruleus produziert, einem kleinen Kerngebiet von Nervenzellen im Hirnstamm. Bereits in der Vor- und Frühphase der Alzheimer-Krankheit ist dieses Kerngebiet nahezu vollkommen zerstört.

Die Forscher um Professor Michael Heneka von der Uni Bonn haben herausgefunden, dass der Verlust des Locus coeruleus den Verlauf der Alzheimer-Krankheit beschleunigt. Durch die Abnahme des Noradrenalins werden die Mikroglia-Zellen im alzheimergeschädigten Gehirn funktionell beeinträchtigt (PNAS 2010, online vorab).

In Versuchen mit Mäusen zerstörten die Wissenschaftler gezielt den Locus coeruleus. Sie stellten fest, dass sich die Mikroglia-Zellen von den für Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zurückziehen und den Abbau der schädigenden Proteine einstellen. Im gleichen Versuch wiesen die Forscher nach, dass die Zugabe eines Medikaments, welches Noradrenalin in den betroffenen Hirnregionen substituiert, die "Aufräumfunktion" der Mikroglia-Zellen wiederherstellt.

Heneka hofft, dass seine Forschungsergebnisse neue Therapieformen bei Morbus Alzheimer ermöglichen: "Wenn das Noradrenalin beim Menschen genauso wirkt wie im Gehirn unserer Alzheimer-Mäuse, können wir den Verlauf der Krankheit möglicherweise verlangsamen, vielleicht sogar deutlich verzögern. Man muss aber mit solchen Prognosen sehr zurückhaltend sein. Hoffnung gibt es erst, wenn klinische Studien an Patienten erfolgreich sind - bis dahin bleiben unsere Ergebnisse nicht mehr als eine interessante Beobachtung."

Zum Abstract der Originalpublikation "Locus ceruleus controls Alzheimer's disease pathology by modulating microglial functions through norepinephrine"

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