Ärzte Zeitung online, 14.04.2011

Schrumpfende Hirnmasse kündigt Alzheimer an

BOSTON/CHICAGO (dpa). Bereits fast ein Jahrzehnt, bevor erste Symptome einer Alzheimer-Erkrankung auftreten, schrumpft das Gehirn in bestimmten Regionen. Damit, so US-Forscher, stünde womöglich eine neue Frühdiagnostik zur Verfügung.

Schrumpfende Hirnmasse kündigt Alzheimer an

Die Magnetresonanztomografie könnte als Früherkennung von Alzheimer dienen.

© Marco Stepniak / imago

Die Wissenschaftler untersuchten Gehirne von Menschen, die keine Anzeichen für Alzheimer hatten, und begleiteten sie über mehrere Jahre. Das Ergebnis: Menschen mit weniger Hirnsubstanz in bestimmten Regionen hatten ein dreifach höheres Erkrankungsrisiko als Studienteilnehmer, deren Hirnstrukturen in diesen Bereichen überdurchschnittlich groß waren (Neurology 2011; online).

"Dies sind vorläufige Ergebnisse, die noch nicht außerhalb von Studien angewendet werden können", betonte Studienautor Dr. Bradford Dickerson von der Harvard Medical School.

Aber die Teams seien optimistisch, dass sich die Größe von bestimmten Hirnregionen künftig als Marker einsetzen lässt. Sie nutzten für ihre Gehirnaufnahmen die Magnetresonanztomografie (MRT).

Jeder der 55 Probanden war über 70 Jahre alt

In die Studie wurden nur Menschen über 70 Jahre einbezogen, die zu Beginn weder Gedächtnisstörungen noch andere typische Alzheimer-Zeichen hatten.

In der einen Gruppe wurden 33 Probanden über elf Jahre begleitet, acht davon entwickelten Alzheimer. In einer zweiten Gruppe wurden 32 Teilnehmer über durchschnittlich sieben Jahre beobachtet, sieben erkrankten.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei den Aufnahmen auf Hirnregionen, die bereits in Zusammenhang mit Alzheimer gebracht werden, und maßen deren Größe.

Teilnehmer mit der größten Hirnmasse blieben gesund

Von den elf Menschen mit den kleinsten Hirnstrukturen erkrankten 55 Prozent an Alzheimer, während keiner der neun Studienteilnehmer mit der größten Hirnmasse in diesen Bereichen Alzheimer entwickelte.

Von jenen mit einer durchschnittlichen Dicke der Großhirnareale zeigten 20 Prozent im Verlauf der Studie Alzheimer-Symptome.

Die Menschen mit den dünnsten Gehirnstrukturen bildeten die Krankheit zudem deutlich schneller aus als die anderen Studienteilnehmer.

"Beim Vergleich der Daten aus Chicago und Boston zeigen sich sehr ähnliche Ergebnisse", sagte Professor Leyla deToledo-Morrell vom Rush University Medical Center in Chicago.

MRT-Aufnahmen könnten Risiko anzeigen

Die MRT-Messungen könnten ihr zufolge ein wichtiger Indikator dafür werden, zu identifizieren, wer ein Risiko für Alzheimer trage.

Sollte eine medikamentöse Behandlung in der Zukunft entwickelt werden, könnten jene Menschen ohne Symptome, aber mit einem großen Risiko, von dieser am meisten profitieren, sagte die Studienautorin.

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