Kongress, 12.05.2011

Demenzversorgung benötigt zivilgesellschaftliches Engagement

Immer mehr Menschen leiden an Demenz. Ein EU-Projekt forscht nach besseren Versorgungsmöglichkeiten. Eines steht fest: Ohne Ehrenamt geht bald nichts mehr.

BERLIN (af). "Es wird in Zukunft nicht mehr gehen, dass Profis alles allein machen", sagte der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychologie, Psychiatrie und Psychosomatik des Berliner Krankenhauses Hedwigshöhe Professor Hans Gutzmann beim Deutschen Ärzteforum am Donnerstag (12. Mai).

Der wachsenden Zahl demenzkranker stehe eine schrumpfende Zahl von Menschen gegenüber, die die Pflege übernehmen könnten. Zivilgesellschaftliches Engagement werde es in diesem Bereich geben müssen, so Gutzmann.

Schon jetzt würde die Demenzversorgung zusammenbrechen, wenn die Angehörigen die Pflege nicht mehr leisten würden, warnte der Psychiater. Er appellierte daher an die Politik, ihr Versprechen einzulösen und pflegende Angehörige zu entlasten.

Vorschläge liegen im Bundesgesundheitsministerium

"Es ist ein wesentlicher Punkt, dass sie unterstützt werden", so Gutzmann. Zugleich forderte er, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der den spezifischen Betreuungsbedarf Demenzkranker erfasse, endlich scharf geschaltet werden solle. Vorschläge würden im Bundesgesundheitsministerium vorliegen.

Dringenden politischen Handlungsbedarf meldete auch das Publikum an. Ohne Pflegereform könnten die seit einigen Jahren eingesetzten Betreuungsassistenten für Demenzkranke in Heimen ab kommendem Jahr ihre inzwischen unverzichtbare Arbeit nicht mehr fortführen, warnte eine Vertreterin der Arbeiterwohlfahrt Brandenburg unter viel Beifall.

Wie andere Länder die Demenzversorgung organisieren, untersucht seit gut einem Jahr das EU-Projekt "Right Time Place Care".

Deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Das zeigt eine vergleichende Analyse der Versorgungssituation, die nach Angaben der deutschen Projektleiterin Professor Gabriele Meyer vom Fachbereich klinische Pflegeforschung der Universität Witten-Herdecke demnächst publiziert wird.

Beispielsweise verwies Meyer darauf, dass es in manchen Ländern keine häusliche Pflege oder Sozialarbeit gebe. In den skandinavischen Ländern sei die Frühdiagnostik sehr viel besser, in Südeuropa die familiäre Betreuung deutlich weiter ausgedehnt.

Die EU-Forscher wollen jetzt herausfinden, warum Menschen mit Demenz in ein Heim eingewiesen werden. Dazu sind Interviews mit 290 Betroffenen und ihren Angehörigen geplant. Das Projekt zielt vor allem darauf, die psychosoziale und pflegerische Betreuung zu verbessern.

www.righttimeplacecare.eu

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