Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Spezielles MRT beflügelt Alzheimer-Diagnostik

BERLIN/BONN (eb). Forscher aus Berlin und Bonn haben beobachtet, dass es schon bei nur subjektiv empfundenen Verschlechterungen des Gedächtnisses Veränderungen im Hippokampus geben kann. Dies könnte Chancen für die Frühdiagnostik bei M. Alzheimer bieten.

Die Arbeit der Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin, des Uniklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn stützen das Modell, dass subjektive Gedächtnisstörungen erste Zeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein können (Arch Gen Psychiatry 2011; 68(8): 845).

Zwar entwickelt nicht jede Person mit subjektiven Gedächtnisstörungen eine Alzheimer-Erkrankung, aber fast jeder Patient mit Alzheimer hat zunächst subjektive Gedächtnisstörungen, die sich bis jetzt nicht objektivieren ließen, erinnert die Charité-Universitätsmedizin Berlin in einer Mitteilung.

Team aus Berlin und Bonn liefert neue Erkenntnisse

Seit einigen Jahren sei gesichert, dass bei Personen mit bereits leichten objektiven Gedächtnisstörungen eine beginnende Alzheimer-Erkrankung mit bildgebenden Verfahren und Liquoruntersuchungen feststellbar ist.

Noch besser wäre es jedoch, Hinweise auf eine solche Erkrankung in einem noch früheren Stadium zu bekommen. Hier hätten die Forscher aus Bonn und Berlin einen wichtigen Schritt getan: Sie fanden Hinweise auf Hirnfunktionsstörungen schon bei Personen mit nur subjektiv wahrgenommener Verschlechterung des Gedächtnisses.

Das Team um Professor Frank Jessen aus Bonn sowie Privatdozentin Susanne Erk und Professor Henrik Walter, beide von der Charité, hat mit funktioneller Kernspintomografie belegt, dass ältere Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen, aber ohne Minderleistungen in objektiven Verhaltensuntersuchungen bereits funktionelle Störungen im Bereich des Hippokampus haben.

Der Hippokampus ist eine Hirnstruktur, die unter anderem für die Gedächtnisbildung wichtig und bei der Alzheimer-Erkrankung zuerst betroffen ist.

Befunde in Hippokampus und Frontalhirn

Bei Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen fiel den Forschern aus Berlin und Bonn in ihrer Studie eine verminderte Aktivierung des Hippokampus während einer Gedächtnisaufgabe auf. Gleichzeitig kam es zu einer vermehrten Aktivierung des rechten Frontalhirns.

"Diese frontale Mehraktivierung hat vermutlichen kompensatorischen Charakter", wird Professor Henrik Walter, Leiter des Forschungsbereich Mind and Brain an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, in der Mitteilung zitiert.

"Sie gleicht das hippokampale Defizit aus, was erklären kann, warum in den Gedächtnistests dieser Gruppe die Leistung nicht schlechter war als in einer altersgleichen Kontrollgruppe ohne subjektive Gedächtnisstörungen".

Professor Frank Jessen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn sieht für die Zukunft auch eine mögliche klinische Relevanz: "Zumindest sind wir damit unserem Ziel nähergekommen, in Zukunft die bis jetzt rein klinische Frühdiagnostik subjektiver Gedächtnisstörungen bei Verdacht auf Alzheimer-Demenz durch nichtinvasive objektive Hirnuntersuchungen zu unterstützen".

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