Ärzte Zeitung, 06.09.2011

Alzheimer-Erkrankung ohne Erinnerungslücken

An Alzheimer erkranken vereinzelt auch Menschen Mitte 50. Solche frühen Erkrankungen sind schwer zu diagnostizieren. Als Folge erhält jeder Zweite dieser Patienten eine falsche Diagnose.

Alzheimer-Erkrankung ohne Erinnerungslücken

Bilder vom Gehirn unterstützen die Differenzialdiagnostik bei Verdacht auf Alzheimer.

© ZTS / fotolia.com

BARCELONA (mut). Eine Alzheimer-Erkrankung kann vereinzelt auch schon in der Mitte des Lebens auftreten.

Solche frühen Erkrankungen (early-onset Alzheimer disease, EOAD) sind sehr schwer zu diagnostizieren - und zwar nicht nur, weil bei Gedächtnisstörungen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren zunächst kaum jemand an Alzheimer denkt, sondern auch, weil die Erkrankung in diesem Alter häufig nicht primär mit Erinnerungsproblemen beginnt.

Krankenakten von 40 Patienten wurden analysiert

Darauf verweisen spanische Pathologen in einer aktuellen Untersuchung (Neurology 2011; 76: 1720).

Das Team um Dr. Albert Lladó aus Barcelona hatte sich die Diagnosen und die Krankheitsverläufe bei 40 Patienten angeschaut, bei denen post mortem aufgrund von Gewebeanalysen ein früher Morbus Alzheimer bestätigt werden konnte.

Erkrankung im Schnitt erst drei Jahre nach den ersten Symptomen diagnostiziert

Die Patienten waren zu Krankheitsbeginn im Schnitt 55 Jahre alt und hatten noch etwa elf Jahre mit der Krankheit gelebt, die Demenzdiagnose wurde jedoch im Schnitt erst drei Jahre nach den ersten klinischen Symptomen gestellt.

Wie die Analyse der Krankenakten ergab, begann der frühe Morbus Alzheimer bei 25 der Patienten (63 Prozent) mit klassischen Symptomen wie einer Störung des episodischen Gedächtnisses.

Ärzte hatten Mühe, die richtige Diagnose zu stellen

Hier hatten die Ärzte auch keine Mühe, zu Lebzeiten die richtige Diagnose zu stellen: Bei allen außer einem Patienten hatten sie den Morbus Alzheimer erkannt.

Nicht so bei den übrigen 15 Patienten (37 Prozent). Hier begann die Erkrankung mit Symptomen wie Apathie, Aphasie, Apraxie, Verhaltensstörungen, Impulsivität, Stimmungsschwankungen oder Störungen beim räumlichen Sehen.

Entsprechend war die Rate der Fehldiagnosen hoch: Nur bei jedem zweiten Patienten hatten die Ärzte eine Alzheimerdiagnose gestellt, bei den anderen eine frontotemporale Degeneration, einen Normaldruck-Hydrozephalus, eine primär progressive Aphasie, eine Depression oder eine kortikobasale Degeneration.

Atypischer Verlauf bei jüngeren Demenzpatienten

Die Daten legen nahe, dass auch bei vielen jüngeren Demenzpatienten mit atypischem Verlauf eine Alzheimer-Erkrankung wahrscheinlich ist und daher eine gute Differenzialdiagnose erfolgen sollte.

Das dürfte allerdings nicht immer einfach sein. So unterschieden sich zum Beispiel APO-E4-Status, Krankheitsbeginn und Erkrankungsdauer bei atypischem und klassischem Verlauf nicht signifikant.

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