Ärzte Zeitung online, 29.12.2011
PET soll Demenz vorhersagen
Verhalten sich Menschen aufgrund einer beginnenden Demenzerkrankung auffällig, spiegelt sich dies auf PET-Bildern vom Hirn wieder. Leipziger Forscher hoffen, mit dieser Erkenntnis einen Schritt bei Frühdiagnostik und früher Therapie Demenz-Kranker weitergekommen zu sein.

PET-Aufnahmen: Verhaltensänderungen mit einem verminderten Glukoseumsatz im mittleren Stirnhirn verbunden.
© Matthias Schroeter
Leipzig (eb). Demenzleiden gehen bereits in Frühstadien häufig mit Verhaltensauffälligkeiten einher: Oft erscheinen die Betroffenen teilnahmslos, antriebsgemindert, enthemmt oder ihr Essverhalten ändert sich.
Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) haben Wissenschaftler am Universitätsklinikum Leipzig in Zusammenarbeit mit Forschern vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften nun nachgewiesen, dass diese Verhaltensauffälligkeiten mit einem reduzierten Stoffwechsel in bestimmten Gehirnregionen einhergehen, teilt die Uni Leipzig mit.
Bei Patienten etwa, die sich besonders apathisch und teilnahmslos zeigten, war der Zuckerstoffwechsel einer Region im Mittelhirn beeinträchtigt, berichten die Wissenschaftler (Psychiatry Research Neuroimaging 2011; 194 (3): 235-44).
Dieses sogenannte "ventrale Tegmentum" ist Teil des Motivationssystems. Bilder, die Störungen im Gehirn sichtbar machen, könnten künftig dazu beitragen, Demenzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
"Unsere Arbeit leistet einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis von Verhaltensdefiziten in frühen Demenzstadien", wird Professor Matthias Schroeter in der Mitteilung zitiert.
Schroeter ist Oberarzt an der Klinik für Kognitive Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig und Leiter der Gruppe "Kognitive Neuropsychiatrie" am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.
Verminderte Stoffwechselaktivität vor Atrophie?
Bisherige Studien hätten zwar bereits Zusammenhänge zwischen Verhaltensauffälligkeiten und Gewebeschwund (Atrophie) in bestimmten Gehirnregionen gezeigt, "es ist aber gut möglich, dass der Atrophie eine verminderte Stoffwechselaktivität vorausgeht", so Schroeter.
Möglicherweise könne das PET-Verfahren genutzt werden, um möglichst früh - oder sogar vorhersagend - Verhaltensauffälligkeiten als Zeichen einer frühen Demenz festzustellen und zeitig eine Verhaltens- oder eine medikamentöse Therapie in die Wege zu leiten.
Für ihre Arbeit hatten die Wissenschaftler der Klinik für Kognitive Neurologie und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften insgesamt 54 Patienten untersucht.
Alle Patienten zeigten als Folge einer frühen Demenzerkrankung Verhaltensauffälligkeiten, berichtet die Uni Leipzig. An dem Projekt ist auch die von Professor Osama Sabri geleitete Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Leipzig beteiligt.
Die meisten Patienten waren an Morbus Alzheimer, an frontotemporaler lobärer Degeneration oder einer Vorstufe dieser beiden Demenztypen erkrankt.
Studie mit radioaktiv markierten Zuckermolekülen
Um Auffälligkeiten im Gehirnstoffwechsel sichtbar zu machen, hätten die Forscher ein Verfahren der funktionellen Bildgebung genutzt.
Indem sie den Patienten zuvor schwach radioaktiv markierte Zuckermoleküle (Fluordesoxyglukose) verabreichten, konnten sie im PET-Scan Hirnregionen mit einem reduzierten Zuckerverbrauch ausmachen.
"An diesen Stellen ist die Stoffwechselaktivität vermindert", erklärt Schroeter.
Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler jene Gehirnregionen identifizieren, in denen die Verhaltensmerkmale "Apathie", "enthemmtes Verhalten" und "Veränderungen im Appetit- und Essverhalten" bei Patienten mit früher Demenz ihren Ursprung nehmen.
Es gelang ihnen, die Merkmale jeweils bestimmten neuronalen Netzen zuzuordnen.
In weiteren Studien wollen die Forscher nun klären, inwieweit sich die Erkenntnisse für die Demenzdiagnostik und -therapie nutzbar machen lassen, kündigt die Uni Leipzig an.

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