Samstag, 25. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 28.02.2012

Haloperidol - im Pflegeheim keine gute Idee

Wenn schon Neuroleptika bei Heimbewohnern, dann möglichst atypische. Denn mit dem Klassiker Haloperidol ist die Sterberate doppelt so hoch wie mit modernen Substanzen.

Haloperidol - im Pflegeheim keine gute Idee

Uups: Vielleicht war die Kombination nicht die beste Wahl?

© Anneke Schram / fotolia.com

BOSTON (mut). Bei Pflegeheimbewohnern sollten Neuroleptika nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden, da ältere Menschen bei einer Therapie mit solchen Substanzen deutlich schneller sterben als ohne.

Bezogen auf einen bestimmten Zeitraum lässt sich je nach Studiendaten ein um 60 bis 70 Prozent erhöhtes Sterberisiko unter Neuroleptika ableiten.

Doch Neuroleptikum ist nicht gleich Neuroleptikum. Schon lange gibt es aus retrospektiven Studien Hinweise, wonach das Sterberisiko je nach Medikament stark variiert und besonders bei klassischen Wirkstoffen wie Haloperidol deutlich erhöht ist.

Forscher um Dr. Krista F. Huybrechts aus Boston haben dies jetzt in einer groß angelegten Analyse bestätigt (BMJ 2012;344:e977).

Die Ärzte überprüften Daten von US-Krankenversicherungen zu über 75.000 Pflegeheimbewohnern, die alle eine Neuroleptikatherapie erhalten hatten. Etwa 60 Prozent der Bewohner hatten Demenz, in der Regel bekamen sie Mittel zur Beruhigung und zur Linderung von Verhaltensauffälligkeiten.

Bei der Sterberate binnen sechs Monaten nach Therapiebeginn ergaben sich deutliche Unterschiede. Mit Haloperidol starben in dieser Zeit 12,6 Prozent im Vergleich zu Olanzapin (9,2 Prozent), Risperidon (8,7), Quetiapin (7,1), Ziprasidon (6,9), Aripiprazol (6,6).

Doppelt so hohe Steberate unter Haloperidol

Berücksichtigt wurden alle Todesursachen außer Krebs; etwa die Hälfte starb an kardiovaskulären Ursachen.

Zum besseren Vergleich wurden die Werte in Sterbefälle pro Behandlungsjahr umgerechnet und Faktoren wie Alter und Geschlecht berücksichtigt.

Dabei ergab sich für Haloperidol eine doppelt so hohe Sterberate wie für den Standard Risperidon, mit Quetiapin war die Rate dagegen um 19 Prozent niedriger.

Mit Olanzapin gab es keine signifikanten Unterschiede zu Risperidon, auch nicht mit Aripiprazol und Ziprasidon. Diese beiden Präparate wurden jedoch nur sehr selten verordnet, sodass die Zahlen nicht sehr aussagekräftig waren.

Die Sterberate war in den ersten 40 Tagen nach Therapiebeginn am höchsten, danach nahm sie leicht ab.

Fazit: Ärzte sollten auf Atypika setzen, wenn Neuroleptika bei Heimbewohnern nötig sind. Daran hatten sich auch die meisten US-Verordner gehalten, nur knapp 6000 der 75.000 Heimbewohner wurden noch mit Haloperidol behandelt.

Aber auch mit Atypika ist eine Therapiedauer von weniger als sechs bis zwölf Wochen anzustreben.

Das ist eher die Ausnahme: Nach Krankenkassendaten erhält in Deutschland jeder dritte Demenzkranke Neuroleptika - meist als Dauertherapie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Keine Neuroleptika zur Dauertherapie!

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