Ärzte Zeitung, 13.07.2012

Menopause: Hoch-Zeit der Demenzprävention

Für keine andere Zielgruppe ist das Vorbeugen einer Demenz so wichtig wie für Frauen und keine Lebensphase so wichtig wie die Wechseljahre. Die Genossenschaft der Gynäkologen hat Grundregeln ausgearbeitet.

Menopause: Hoch-Zeit der Demenzprävention

Mit ärztlicher Beratung können Frauen in und nach der Menopause viel dazu beitragen, ihr Demenzrisiko zu senken.

© MonkeyBusinessImages/Shutterstock.com

KÖLN (eb). Demenz ist eine Krankheit besonders der Frauen: Da sie eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, sind heute nach Schätzungen von Experten rund 800.000 der 1,2 Millionen Demenzkranken in Deutschland weiblich.

Und da weiter von den ersten Anzeichen bis zum alzheimertypischen Alter von 80 Jahren rund 30 Jahre vergehen, rückt speziell die Menopause in den Fokus der Präventivmedizin. Frauenärzte haben daher jetzt Grundregeln zur Vorbeugung formuliert.

"Frauen in der Menopause stehen im Mittelpunkt der Prävention neurodegenerativer Erkrankungen", so wird der Frauenarzt Professor Bernd Kleine-Gunk in einer Mitteilung der medizinischen Genossenschaft GenoGyn zitiert.

Vom Auftreten der ersten morphologisch nachweisbaren Demenz-Merkmale - wie Beta-Amyloid-Plaques - bis zum Vollbild der klinisch manifesten Demenz vergingen ungefähr 30 Jahre, erläutert der Leitende Arzt der Gynäkologie an der Euromed Clinic in Fürth und Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM).

Wer also mit 80 Jahren an einem Morbus Alzheimer erkrankt, hat bereits mit 50 erste präklinische Veränderungen.

Viel Obst und Gemüse

Somit bildeten vor allem Frauen in den Wechseljahren die Zielgruppe für die Prävention neurodegenerativer Erkrankungen, so Kleine-Gunk.

Das Protein BDNF fördert die Neurogenese

Der Brain Derived Neurotropic Factor (BDNF), ein Protein aus der Gruppe der Neurotrophine und mit den Nervenwachstumsfaktoren eng verwandt, gilt als Indikator für neuronale Plastizität. Er schützt Neuronen und Synapsen und fördert - auch noch im höheren Alter - das Wachstum neuer (Neurogenese). Er kommt in Bereichen für Gedächtnis und abstraktes Denken vor: Hippocampus, Großhirnrinde und Vorderhirn. Hier ist der BDNF auch wichtig fürs Langzeitgedächtnis. Mäuse ohne BDNF weisen Entwicklungsdefizite im Gehirn und dem Sensorium auf und sterben meist kurz nach der Geburt. BDNF ist nicht nur im Gehirn nachweisbar, sondern auch in Netzhaut, Nieren, Prostata und dem menschlichem Speichel. (ars)

Der Gynäkologe vermittelt nicht nur in den zertifizierten Fortbildungen von GenoGyn und GSAAM Fachwissen aus der Präventionsmedizin, sondern hat auch einen Katalog zur Demenzprophylaxe in der Praxis erstellt. Die wichtigsten Maßnahmen bündelt er in einigen Grundregeln.

Danach schützen die Senkung eines Bluthochdrucks, die Verminderung überhöhter Cholesterinspiegel und die Vermeidung einer diabetogenen Stoffwechsellage nicht nur die Blutgefäße, sondern auch das zentrale Nervensystem.

Eine obst- und gemüsereiche Ernährung bewahrt das Gehirn vor oxidativen Substanzen wie freien Sauerstoff- oder Stickstoffradikalen, die dem Gehirn als lipidreichem Organ besonders zusetzen.

Weiterhin können Frauen durch die Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die in Fischölen enthalten sind, chronisch niederschwelligen Entzündungsprozessen entgegenwirken und damit der Entstehung einer Demenz.

Auch dass körperliche Aktivität zerebrale Funktionen zu erhalten hilft, sei belegt.

Moderater Alkoholgenuss

"Unter anderem findet sich bei älteren Menschen, die sich regelmäßig körperlich betätigen, ein erhöhter Spiegel an Brain Derived Neurotropic Factor (BDNF)", erläutert Kleine-Gunk.

Moderater Alkoholkonsum, mit der Betonung auf moderat, schütze ebenfalls nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch vor Demenz.

Außerdem könnten manche Frauen nach der Menopause von dem neuroprotektiven Effekt einer Hormontherapie profitieren, da Östrogene und Gestagene grundsätzlich die Gehirnfunktion besserten.

Auch auf die positiven präventiven Effekte von geistigem Training und sozialen Kontakten wird verwiesen.

Die ärztliche Genossenschaft der Frauenärzte GenoGyn ist ein firmenunabhängiges und politisch freies Gemeinschaftsunternehmen von niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten mit dem Ziel, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität der Mitglieder-Praxen zu festigen und zu stärken.

www.genogyn.de

[13.07.2012, 12:18:02]
Dr. Dirk Kestner 
Ach, Gottchen!
Man muß wohl schon irgendwo Professor für irgendetwas sein, um derartige Banalitäten an den Mann - Verzeihung, natürlich "an die Frau..."! - bringen zu können; allerdings hören deswegen vermutlich auch immer weniger Kollegen in der vordersten Behandlungsfront auf die mehr oder minder selbsternannten Hyperkompetenzen unserer akademischen und "akademoiden" Wissenstempel, wenn sie einmal wieder ihre scheinstatistisch hinterlegten Dummheiten bzw. Platitüden verbreiten. Schade nur, daß ein sich so ernsthaft präsentierendes Weiterbildungsorgan wie die Ärztezeitung dabei auch noch Vorschub leistet!
Übrigens, ich bin zwar bloß "Dr.", aber ich versuche das jetzt hier auch 'mal mit 'nem absolut stichhaltigen Rat: Wer gesund bleiben will, sollte nicht krank werden! zum Beitrag »

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