Ärzte Zeitung online, 02.05.2014

Autopsie-Studie

Negativer PET-Scan kann Alzheimer ausschließen

Ist ein Amyloid-PET unauffällig, lässt sich Alzheimer recht zuverlässig ausschließen. Darauf deuten Daten einer Autopsie-Studie.

Negativer PET-Scan kann Alzheimer ausschließen

Viele Menschen fragen sich: Habe ich Alzheimer?

© Peter Maszlen / Fotolia.com

PHILADELPHIA. Eine definitive Alzheimerdiagnose ist bekanntlich erst nach dem Tod möglich: Sie wird dann gestellt, wenn Betroffene zu Lebzeiten an Demenz erkranken und bei der Obduktion Amyloid-Plaques sowie Neurofibrillen im Gehirn der Verstorbenen nachweisbar sind.

Die Plaques lassen sich aber auch schon zu Lebzeiten zuverlässig aufspüren, hat jetzt eine große Multicenterstudie per PET-Bildgebung klar gezeigt.

Die PET-Bildgebung zum Amyloid-Nachweis ist an sich nicht neu, allerdings war die Sensitivität und Spezifität bislang in nur wenigen und meist recht kleinen Studien überprüft worden, hat Dr. Marwan Sabbagh von der Universität in Phoenix auf dem Kongress der American Academy of Neurology in Philadelphia berichtet.

Neue Marker entwickelt

Ein Großteil der Forschung erfolgte mit dem Marker Pittsburgh Compound B (PiB), der das recht kurzlebige 11C-Kohlenstoffisotop enthält, was die Handhabung und Anwendung erschwert.

Inzwischen wurden auch Marker mit dem langlebigeren 18F-Flourisotop entwickelt, die für den klinischen Gebrauch besser geeignet sind. Um die Zulassung zur Diagnostik zu bekommen, mussten große Studien zur Aussagekraft der Marker vorgelegt werden.

Die bislang wohl größte hat Sabbagh nun auf dem AAN vorgestellt, und zwar mit dem ursprünglich von Bayer entwickelten PET-Marker Florbetaben. Teilnehmer waren 205 alte Menschenam Ende ihres Lebens. Sie wurden mit dem Florbetaben-PET auf Beta-Amyloid untersucht.

Nach dem Tod wird geschaut, welche Patienten tatsächlich Amyloid-Ablagerungen im Gehirn haben und welche nicht. Wie der Neurologe erläuterte, wird nicht nur die gesamte Amyloidlast bestimmt, die Forscher legten auch sechs Hirnregionen fest, in denen sie vor dem Tod mit PET und nach dem Tod histopathologisch nach Amyloid schauen.

Sensitivität von 98 Prozent 

Inzwischen haben die Forscher Daten zu 74 Patienten ausgewertet. Bei 57 von ihnen war vor dem Tod aufgrund klinischer Kriterien eine Alzheimerdemenz festgestellt worden, neun hatten andere Demenzformen, acht keine Demenz.

Bei 47 der Teilnehmer ließen sich nach dem Tod Beta-Amyloid-Ablagerungen nachweisen, 46 vor ihnen hatten ein positives Amyloid-PET, was einer Sensitivität von 98 Prozent entspricht.

Bei 27 der Verstorbenen fanden die Pathologen keine Amyloid-Belastung, 24 davon waren vor dem Tod per PET korrekt als negativ erkannt worden - das entspricht einer Spezifität von 89 Prozent.

Für sehr wichtig hält Sabbagh jedoch einen anderen Wert: Von 25 Personen mit negativen PET-Scans hatten 24 tatsächlich auch post mortem einen negativen Befund. Der negative prädiktive Wert liegt damit bei 96 Prozent.

Haben Patienten also einen negativen Florbetaben-Scan, dann lässt sich eine pathologische Amyloid-Belastung fast komplett ausschließen, und wo kein Amyloid ist, ist auch kein Alzheimer.

Positiver PET-Scan ist kein Kriterium für Alzheimer

Welche Bedeutung hat dies nun für die Praxis? Florbetaben ist inzwischen in den USA und der EU zur Diagnostik zugelassen, wird aber in der Regel - wie auch andere 18F-Amyloid-Marker - noch nicht von den Kassen finanziert.

Für Sabbagh ist es aber wichtig, Patienten mit Demenzverdacht über diese Option zu informieren. "Viele wollen sicher wissen, ob sie Alzheimer haben oder nicht", so der Neurologe zu "Springer Medizin". Ein positiver PET-Scan kann ihnen dann helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen, solange sie noch im Besitz ihrer geistigen Kräfte sind.

Allerdings muss beachtet werden, dass ein positiver PET-Scan noch kein ausreichendes Kriterium für eine Alzheimerdemenz ist. Ein Teil der Menschen mit hoher Amyloid-Last altert ohne kognitive Einschränkungen. Sind jedoch erste kognitive Defizite erkennbar, dann deutet ein positiver PET-Scan mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine beginnende Alzheimerdemenz.

Die PET-Bildgebung, so Sabbagh, werde spätestens auch dann sehr wichtig, sollten Arzneien gegen Beta-Amyloid in derzeit laufenden Studien die Entstehung einer Alzheimerdemenz verhindern oder verzögern können.

"Dann dürfte sich die Einstellung der Kassen ändern, weil eine Alzheimerdemenz pro Jahr viel mehr kostet als ein PET-Scan."

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