Ärzte Zeitung online, 23.06.2015

Geringeres Demenzrisiko

Sport hält auch das Hirn fit

Wer im mittleren Lebensalter viel Sport treibt, tut damit nicht nur seinem Körper, sondern auch seinem Hirn Gutes - und kann sich eventuell sogar vor Demenz schützen.

Von Thomas Müller

Sport hält auch das Hirn fit

Regelmäßiger Sport im mittleren Lebensalter kann offenbar dabei helfen, einer Demenz vorzubeugen.

© GreenPimp / iStock

MINNEAPOLIS. Zeitlebens in Bewegung bleiben und viel Sport treiben - auf diese Weise lässt sich wohl das Demenzrisiko im Alter deutlich senken. Jedenfalls gibt es eine ganze Reihe epidemiologischer Studien, die einen solchen Zusammenhang nahe legen.

Aus diesem Grund richtet sich das Augenmerk vieler Forschern inzwischen weniger darauf ob, sondern vielmehr wie körperliche Aktivität die Folgen des Alterns für das Gehirn mildert und vor einer Demenz schützt.

Entsprechende Hinweise haben sich Epidemiologen um Dr. Na Zhu von der Universität in Minneapolis nun von der Studie CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) erhofft (Neurology 2015; 84(23):2347-2353).

Darin absolvierten die Teilnehmer 20 Jahre nach der Aufnahme einen Belastungstest auf dem Laufband und fünf Jahre später eine ausführliche MRT-Untersuchung des Gehirns.

Insgesamt 565 CARDIA-Teilnehmer nahmen an dem Fitnesstest teil; sie waren zu diesem Zeitpunkt zwischen 38 und 50 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei knapp 46 Jahren.

Mehr Bewegung - mehr intakte weiße Substanz

Während der ergometrischen Untersuchung schauten die Forscher um Zhu, wie lange die Teilnehmer beschwerdefrei durchhielten.

Bei dem Test wurde die erforderliche Leistung nach einem modifizierten Balke-Protokoll in neun Stufen alle zwei Minuten erhöht.

Im Schnitt lag die maximale Testdauer (Maxdur) der Teilnehmer bei 7,6 Minuten. Am besten schnitten weiße Männer (9,6 Minuten), am schlechtesten afroamerikanische Frauen (5,2 Minuten) ab. Die Forscher um Zhu teilten die Probanden nun entsprechend ihrer maximalen Testdauer in vier Quartile.

Diejenigen mit den höchsten Werten trieben erwartungsgemäß auch am meisten Sport, hatten im Vergleich zu den Teilnehmern des am wenigsten fitten Quartils einen niedrigeren BMI (im Schnitt 25 versus 32), schauten nur halb so lange fern (5,3 versus 10,7 Stunden pro Woche) und hatten deutlich seltener einen Diabetes (2,1 versus 12,0 Prozent) oder eine Hypertonie (6,4 versus 30,1 Prozent).

Das Hirn gewinnt an Volumen

Fünf Jahre später ergab die MRT-Untersuchung in der fittesten Gruppe ein signifikant höheres Hirnvolumen: 81,7 Prozent des intrakraniellen Raums war mit Gehirn gefüllt, bei den am wenigsten fitten lag der Anteil nur bei 80,8% (p = 0,003).

Analysierten die Forscher speziell den Anteil der normal aussehenden weißen Substanz am intrakraniellen Volumen, so war auch dieser bei den Fittesten am höchsten.

Der Unterschied zum Quartil mit der kürzesten Ergometerzeit (Maxdur) erscheint mit 38,8 versus 38,2 zwar recht gering, lag jedoch bei etwa 6 Prozent einer Standardabweichung (SD).

Die fraktionale Anisotropie (FA), ein Maß für mikrostrukturelle Schäden, war im Quartil der Fittesten deutlich niedriger (minus 5 Prozent SD).

Damit hatten die sportlichen Teilnehmer nicht nur mehr makroskopisch gesunde weiße Substanz, sie war auch mikrostrukturell in einem besseren Zustand als die der Couch-Potatoes.

Keinen Einfluss schien die körperliche Fitness jedoch auf den Blutfluss in der weißen Substanz und den Anteil der abnorm erscheinenden Leitungsbahnen zu haben.

Klinisch bedeutsame Unterschiede?

Nun mag vielleicht nicht nur die körperliche Fitness, sondern der an sich gesündere Lebensstil solcher Personen günstige Auswirkungen auf das Gehirn haben.

Dies versuchten die Forscher zu berücksichtigen, indem sie neben Faktoren wie Alter und Geschlecht auch den BMI, die Ernährung, den Tabak- und Alkoholkonsum oder den Bildungsgrad in ihre Berechnungen aufnahmen.

Doch selbst dann blieben die Unterschiede statistisch signifikant: Danach ist sind für jede Minute, die jemand beim Ergometertest länger durchhält, der Hirnvolumenanteil um 0,2 Prozent (rund 7 SD) und der Anteil der normal erscheinenden weißen Substanz um etwa 0,14 Prozent (6 SD) höher.

Die Frage ist natürlich, ob solche Unterschiede klinisch bedeutsam sind. Dies ist nach Angaben der Studienautoren durchaus anzunehmen: In einer vorhergehenden Auswertung der CARDIA-Studie schnitten diejenigen Teilnehmer mit der höchsten kardiorespiratorischen Leistung im Laufbandtest auch bei Kognitionstests am besten ab.

Die Chancen, so die Studienautoren, seien daher ganz gut, dass sich durch mehr körperliche Aktivität eine Hirnatrophie sowie Schäden in der weißen Substanz im höheren Alter verzögern lassen.

Dies könnte dann auch die kognitiven Reserven bei einer beginnenden Demenz erhöhen.

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