Ärzte Zeitung, 26.11.2015

Alzheimermarker?

Riechtest sagt Demenz voraus

Können alte Menschen nicht mehr gut riechen, kann das offenbar auf eine künftige Demenz hindeuten. Eine Studie zeigt: Wer im Riechtest schlecht war, hatte ein fünffaches Risko für Alzheimer.

Von Thomas Müller

Riechtest sagt Demenz voraus

Wird der Duft erkannt? Der schleichende Verlust des Geruchssinns kann Vorbote kognitiven Abbaus sein.

© Hamels / fotolia.com

ROCHESTER. Der Geruchssinn ist bei neurodegenerativen Erkrankungen oft schon recht früh betroffen. Bekannt sind Hyposmie und Anosmie im frühen Parkinsonstadium, doch auch für eine Alzheimerdemenz gibt es inzwischen reichlich Hinweise, wonach ein schleichender Verlust des Geruchssinns bei einem Teil der Patienten dem kognitiven Abbau vorausgeht.

Hinzu kommen pathologische Erkenntnisse, nach denen der Riechkolben, das Riechhirn und das Ammonshorn besonders früh Amyloidplaques und Neurofibrillen anhäufen.

Eine Gruppe um Dr. Rosebud Roberts von der Mayo-Klinik in Rochester hat nun in einer Auswertung der Mayo Clinic Study of Aging geschaut, ob sich dies auch bei einer größeren Kohorte älterer Menschen bestätigen lässt und ob ein schlechter Geruchssinn spezifisch den Verlust des Gedächtnisses vorhersagen kann (JAMA Neurol 2015, online 16. November).

Schließlich werden händeringend Verfahren gesucht, um Personen mit hohem Alzheimerrisiko für neue Wirkstoffstudien zu identifizieren.

Schlechter Riechtest, hohe MCI-Rate

Für die Mayo-Klinik-Studie haben sich zwischen 2004 und 2010 insgesamt 1630 ältere kognitiv noch gesunde Teilnehmer eingeschrieben, zudem haben sich über 300 Personen mit bereits bestehender leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) beteiligt.

Alle haben dabei einen Geruchstest absolviert: Beim "Brief Smell Identification Test" (B-SIT) müssen die Probanden sechs Nahrungsmittel und Gewürze erriechen (Banane, Schokolade, Zimt, Ananas, Zitrone, Zwiebel) sowie sechs andere Düfte (Farbverdünner, Benzin, Seife, Rose, Rauch und Terpentin).

Zu Beginn waren die Teilnehmer rund 80 Jahre alt und kognitiv gesund. Nach im Schnitt 3,5 Jahren konnten noch 1430 der Probanden nachuntersucht werden. Bei 250 (17 Prozent) von ihnen stellten die Ärzte eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) fest, bei 162 eine amnestische MCI.

Diese Personen hatten beim Geruchstest zuvor deutlich schlechter abgeschnitten als Teilnehmer, die keine amnestischen Probleme entwickelt hatten.

Unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Bildung war die MCI-Rate im Quartil mit den schlechtesten Testwerten mehr als doppelt so hoch wie im Quartil mit den besten Werten. Generell war die Rate umso höher, je schlechter die Teilnehmer beim Geruchstest abschnitten.

Schlechte Werte, hohe Demenzrate

Dagegen war die Rate für eine nichtamnestische MCI bei den Hyp- und Anosmotikern nicht erhöht, sondern tendenziell sogar geringer als bei den Normosmotikern, die Differenzen zu den Normalriechern waren aber nicht signifikant.

Von den Personen mit zu Beginn bestehender MCI konnten 221 nachuntersucht werden. 185 hatten eine amnestische oder multiple MCI, 36 eine nichtamnestische MCI. Von all diesen Patienten entwickelten 63 (28 Prozent) eine Demenz.

Dabei war die Alzheimerrate bei den Teilnehmern mit den schlechtesten Werten beim Riechtest 5,2-fach höher als bei den MCI-Patienten mit den besten Werten. Auch dieser Unterschied war statistisch signifikant.

Die Studienautoren um Roberts weisen darauf hin, dass sich der B-SIT sehr leicht im Praxisalltag anwenden lässt. Außerdem wird zur Interpretation kein geschultes Personal benötigt und der Test ist zudem recht billig.

Damit ließen sich folglich - zusammen mit anderen Verfahren - sehr einfach Personen mit hohem Risiko für MCI oder Morbus Alzheimer identifizieren.

Diese könnten dann motiviert werden, durch Präventionsmaßnahmen ihr Demenzrisiko zu senken oder an klinischen Präventionsstudien teilzunehmen.

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