Ärzte Zeitung, 25.05.2016

Erfolg im Tiermodell

Helfen Antikörper gegen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit?

Forscher wollen Antikörper gegen Prionerkrankungen klinisch prüfen. Tierexperimente lassen hoffen, dass sich so die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit stoppen lässt.

VANCOUVER. Nach der BSE-Krise in Großbritannien ist die große menschliche Katastrophe ausgeblieben. Doch immerhin 177 Personen sind seitdem an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gestorben, wobei es in den vergangenen drei Jahren keine einzige Neuerkrankung mehr gab.

Gleichzeitig steigt die Inzidenz von sporadischen CJK-Fällen: Derzeit erkranken rund 100 Personen pro Jahr in Großbritannien an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) - viermal mehr als noch vor zwei Dekaden, erläuterte Professor John Collinge von der Universität in London auf der Tagung der American Academy of Neurology (AAN) in Vancouver.

Der Prionenforscher sieht vor allem eine bessere Diagnostik hinter diesem Anstieg. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass in Zukunft weitere CJK-Fälle als Folge der BSE-Exposition auftreten. Daher seien wirksame Therapien gegen die schwammartige Zersetzung des Gehirns notwendig.

Das Team um Collinge arbeitet schon seit einigen Jahren an einer Therapie und konnte die Krankheit in Tiermodellen erfolgreich stoppen. So gelang es den britischen Forschern zunächst, zu zeigen, dass eine Ausschaltung des pathogenen Prionproteins in Mäusen die Krankheit verhindert.

Transgene Mäuse erzeugt

Die Forscher erzeugten transgene Mäuse, bei denen sich das Gen für das Prionprotein zu einem bestimmten Zeitpunkt herausschneiden ließ.

Inokulierten die Forscher die Mäuse mit pathogenen Prionen und schalteten erst einige Zeit später das Priongen aus, blieben sie trotzdem gesund, zudem waren die Tiere in der Lage, bereits entstandene Schäden im Gehirn wieder zu reparieren. Ohne die Exzision des Priongens erkrankten die Tiere und starben rasch.

Die Forscher konnten zeigen, dass die Krankheitsprogression zum Stillstand kommt, wenn das körpereigene Prionprotein entzogen wird. Wäre das nicht der Fall - würde die Krankheit einmal angeschoben also unabhängig vom vorhandenen Prionprotein voranschreiten - dann wäre eine Therapie gegen Prionproteine bei erkrankten Patienten wenig aussichtsreich.

Ein solches Phänomen ist bei Alzheimer zu beobachten: Bei bereits erkrankten Patienten scheint Beta-Amyloid nicht mehr nötig zu sein, um die Neurodegeneration voranzutreiben. Anti-Amyloid-Wirkstoffe, so die derzeitige Hypothese, sind aus diesem Grund bei Alzheimerpatienten nicht mehr wirksam.

Im nächsten Schritt hat das Team um Collinge monoklonale Antikörper gegen das Maus-Prionprotein entwickelt. Solche Antikörper sollen normales Prionprotein stabilisieren und damit verhindern, dass die Proteine von pathogenen Prionen rekrutiert werden.

Dies sollte die Kettenreaktion im Gehirn stoppen, bei der normales Prionprotein in die pathogene Form umgewandelt wird.

Prionpropagation gestoppt

Mit ihren Antikörpern konnten die Wissenschaftler tatsächlich die Prionpropagation im Mausgehirn stoppen. Inokulierten sie Mäuse mit pathogenen Prionen, lebten diese rund 200 Tage, wenn sie nicht behandelt wurden. Erhielten sie bei ersten klinischen Symptomen die Antikörper, erreichten sie die übliche Lebensspanne von rund 600 Tagen.

Mittlerweile haben die Forscher eine humanisierte Form des Mäuse-Prionprotein-Antikörpers mit der Bezeichnung PRN 100 hergestellt; dieser könnte bald bei sporadischer CJK geprüft werden.

Noch sind sich die Wissenschaftler aber nicht sicher, ob eine intravenöse Applikation genügt oder ob der Antikörper intrathekal verabreicht werden muss.

Nach Ansicht von Collinge könnten solche Antikörper vielleicht auch bei Alzheimer hilfreich sein. So scheint es Wechselwirkungen zwischen toxischen Beta-Amyloid-Oligomeren und Prionprotein zu geben.

In einem Experiment inokulierten die Forscher Ratten mit löslichen Extrakten aus dem Gehirn von Alzheimerpatienten. Eine solche Prozedur führt zu charakteristischen, alzheimerähnlichen Nervenschädigungen. Diese ließen sich verhindern, wenn die Forscher die Tiere mit dem PRN100-Antikörper behandelten. (mut)

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