Ärzte Zeitung, 20.04.2004

Für Prädiabetes gibt es einfachen Risikotest

Schon vor dem Diabetes-Stadium ist kardiovaskuläre Gefährdung hoch / Blutdruck sollte konsequent gesenkt werden

WIESBADEN (Rö). Patienten mit einem frühen Diabetes-Stadium, Prädiabetes genannt, haben bereits ein erhebliches Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu bekommen. Wichtig ist es daher, solche Patienten in der Praxis zu erkennen, damit sie konsequent behandelt werden können.

Kennzeichen für einen Prädiabetes sind Nüchternglukose-Werte zwischen 110 und 125 mg/dl oder Blutzuckerwerte zwischen 140 und 199 mg/dl nach dem Belastungstest mit 75 Gramm Glukose. Solch ein oraler Glukose-Toleranz-Test ist eigentlich der Goldstandard. Er ist allerdings als Screening-Test kaum praktikabel. Wird nur der Nüchtern-Blutzucker bestimmt, bleiben 30 Prozent der Diabetiker unentdeckt.

Auch der HbA1c-Wert allein sei nicht sensitiv genug, hat Professor Walter Zidek vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin bei einem Symposium des Unternehmens Aventis zum Internisten-Kongreß berichtet. Für ein breites Screening von Risikopatienten eignen sich eher Prädiabetes-Risiko-Scores. Einen solchen Score hat Zidek in der Praxis evaluieren lassen. Danach ist mit einer Sensitivität von 83 Prozent und einer Spezifität von 76 Prozent ein Prädiabetes wahrscheinlich, wenn der systolische Blutdruck über 140 mmHg, der Nüchternblutzuckerwert über 110 mg/dl, der HbA1c- Wert über 6 Prozent, der Taillenumfang über 102 Zentimetern und das Alter über 55 Jahren liegen.

So identifizierte Patienten sollten konsequent behandelt werden, hat Professor Joachim Schrader vom St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg betont. Als Zielblutdruck seien wie bei Diabetikern Werte von 135 zu 85 mmHg anzustreben. Dies legten Ergebnisse der HOT- und der UKPDS-Studie nahe. Zur Therapie seien Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems Mittel erster Wahl. In der HOPE-Studie waren kardiovaskuläre Ereignisse mit Ramipril (als Delix® vom Unternehmen angeboten) seltener vorgekommen. Zudem wurde belegt, daß ein manifester Typ-2-Diabetes seltener ist.

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