Ärzte Zeitung, 21.04.2004

Logischer Start mit Insulin bei Typ-2-Diabetes

Mit gezielter supplementärer Insulin-Therapie werden Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermieden

WIESBADEN (ej). Die supplementäre Insulintherapie (SIT) vor den Mahlzeiten ist bei Typ-2-Diabetes ein pathophysiologisch sinnvoller Einstieg in die Insulinbehandlung, meint Dr. Stephan Maxeiner, Diabetologe in Bosenheim. Sobald die Blutzuckerspitzen - trotz oraler Antidiabetika - zwei Stunden nach der Mahlzeit immer noch über 150 mg/dl liegen, sei die schnelle prandiale Insulinsubstitution auch bei Typ-2-Diabetes die effizienteste Therapie.

Daß Diabetiker kardiovaskuläre Risikopatienten sind, liegt primär an den postprandialen Hyperglykämien, die schon früh zu den gefürchteten mikro- und makrovaskulären Schäden führen. Schon im Stadium der gestörten Glukosetoleranz sind funktionelle Endothelschäden nachweisbar. Daher gilt es, keine Zeit zu verlieren. Als Orientierung können sowohl die postprandialen als auch die Nüchternwerte gelten: "Falls der Blutzucker zwei Stunden nach der Mahlzeit immer noch über 150 mg/dl (8,3 mmol/l) liegt, oder der Nüchternblutzucker dauerhaft über 110 mg/dl (6,1 mmol/l), fehlt es an der schnellen Insulinsekretion zu den Mahlzeiten", erklärte Dr. Marcel Kaiser von Novo Nordisk auf einer Veranstaltung des Unternehmens beim Internistenkongreß.

In der Praxis empfiehlt sich ein einfaches Vorgehen: Man behält das orale Antidiabetikum - etwa Metformin - bei und läßt den Patienten lediglich vor den Mahlzeiten mit dem Injektionspen eine individuelle Insulindosis verabreichen. Das kappt die Insulinspitzen und führt langfristig zu besseren HbA1c-Werten.

Für diese supplementäre Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes bietet sich sowohl ein kurzwirksames Humaninsulin (vom Unternehmen als Actrapid® angeboten) als auch das schneller wirksame Insulinanalogon Insulin Aspart (vom Unternehmen als NovoRapid® angeboten) an. Wie die Daten einer dreimonatigen, randomisierten Vergleichsstudie bei 204 Patienten mit Typ-2-Diabetes erkennen lassen, werden die postprandialen Spitzen mit dem schnellen Insulinanalogon effektiver gesenkt.

Für die Insulindosis kann man sich anfangs an folgender Faustregel orientieren: Nüchtern-Blutzucker (in mg) x 0,2 = Insulin-Tagesdosis. Liegt also der Blutzucker-Morgenwert bei 120 mg/dl, so werden über den Tag (120 x 0,2) 24 Insulin-Einheiten gebraucht.

"Die Tagesdosis teile ich nach dem Verhältnis 3:1:2 auf und lasse entsprechend dem Beispiel morgens 12, mittags 4 und abends 8 Einheiten spritzen", sagte Maxeiner. Erst bei anhaltend hohen Blutzuckerwerten läßt er auch über die Nacht ein Verzögerungsinsulin spritzen.

"Da die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes während des Tages kein basales Insulin brauchen, ist ein Verzögerungsinsulin, das nur die Nacht abdeckt, optimal", ergänzte Dr. Rainer Lundershausen aus Saalfeld. Bei den meisten Typ-2-Diabetikern decke die endogene Insulinsekretion noch hinreichend den basalen Insulinbedarf während des Tages ab.

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