Ärzte Zeitung, 27.04.2004

Acarbose senkt bei Diabetikern das Risiko für Re-Infarkte

Metaanalyse von sieben Studien mit insgesamt 2180 Typ-2-Diabetikern / Postprandiale Hyperglykämie wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor

MANNHEIM (sko). "Wir Kardiologen müssen davon wegkommen, uns nur am Nüchternblutzucker zu orientieren!", forderte Privatdozent Christian Schneider von der Uniklinik Köln beim Kardiologenkongreß in Mannheim. Vielmehr sei der Blutzuckerwert zwei Stunden nach einer Mahlzeit für das kardiovaskuläre Risiko bedeutsam.

Die postprandiale Hyperglykämie ist ein relevanter kardiovaskulärer Risikofaktor. Zudem trage die postprandiale Hyperglykämie mindestens 30 bis 40 Prozent zum HbA1c-Wert bei, so Schneider bei einer vom Unternehmen Bayer Vital unterstützten Veranstaltung.

Besonders bei niedrigen HbA1c-Werten steige dieser Anteil auf bis zu 70 Prozent. HbA1c-Werte erlaubten wiederum Aussagen zum kardiovaskulären Risiko, sagte Schneider, was er anhand einer Metaanalyse mit 8000 Diabetikern belegte: "Pro ein Prozent Steigung des HbA1c stieg das kardiovaskuläre Risiko um 20 Prozent." Es bestehe eine signifikante Korrelation zwischen der Höhe des HbA1c und den kardiovaskulären Ereignissen.

Schneider: "Wenn wir Diabetiker im Hinblick auf die postprandiale Hyperglykämie behandeln, werden wir erwarten, daß das den HbA1c senkt." Möglich sei eine intensivierte Therapie etwa mit einem Verzögerungsinsulin oder mit Acarbose (Glucobay®). Doch senkt eine intensivierte Diabetes-Therapie auch das kardiovaskuläre Risiko?

Daß dies für die Acarbosetherapie zutrifft, belegte Schneider mit einer Metaanalyse von sieben Langzeitstudien, in der die Daten von 2180 Typ-2-Diabetikern ausgewertet wurden (Eur Heart Journal 25, 2004, 10). Ein Ergebnis: Von den 1248 mit Acarbose behandelten Patienten bekamen neun (0,7 Prozent) einen erneuten Myokardinfarkt, bei den mit Placebo behandelten waren es 19 (2 Prozent). Das entspreche einer um 64 Prozent niedrigeren Rate mit dem Wirkstoff.

Doch wann sollte mit einer Acarbosetherapie begonnen werden? "30 Prozent der KHK-Patienten haben eine pathologische Glukosetoleranz, und da sich ein Diabetes kontinuierlich aus dem Stadium der pathologischen Glukosetoleranz entwickelt, sollten wir früh eingreifen".

So sei es bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom oder Myokardinfarkt sinnvoll, einen oralen Glukosetoleranztest zu machen und erhöhte Werte durch Bewegung und gesunde Ernährung zu normalisieren. "Doch wenn das nicht ausreicht, verordne ich Acarbose als einen individuellen Heilversuch, weil für diese Indikation die Zulassung fehlt", sagte Schneider.

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