Ärzte Zeitung, 21.05.2004

Dicke Kinder sollten Diabetes-Check erhalten

Haben Kinder von Diabetikern einen BMI über 23 kg/m2, ist eine Messung der Blutglukose sinnvoll

NEU-ISENBURG (sko). Typ-2-Diabetes bei Kindern wird immer häufiger: In Deutschland erkranken pro Jahr 200, meist zu dicke Kinder an Typ-2-Diabetes, wie es beim Diabetes-Kongreß in Hannover hieß. Vor fünf Jahren habe es das bei Kindern praktisch nicht gegeben. Doch wann sollte bei dicken Kindern nach einem Diabetes geforscht werden?

"Wenn Kinder über zehn Jahre einen Body-Mass-Index (BMI) über der 97. Perzentile haben und ein Elternteil Diabetiker ist, sollten die Nüchternblutwerte für Glukose und Insulin bestimmt werden", rät Dr. Thomas Kappellen von der Unikinderklinik Leipzig.

Konkret bedeutet das zum Beispiel: Wenn ein Zehnjähriger einen BMI über 23 kg/m2 hat - also etwa bei einer Größe von 145 cm 50 kg wiegt - sollte eine Diabetesdiagnostik begonnen werden. Bei diesem BMI sollte man ebenfalls aufmerksam werden, wenn es Zeichen für eine Insulinresistenz gibt. Als Beispiel nennt Kappellen eine Acanthosis nigricans mit brauner Verfärbung und Verdickung der Haut etwa in den Achseln oder im Nacken.

Goldstandard bei der Diagnostik ist nach Kappellens Angaben der orale Glukosetoleranztest, der sich an den gleichen Grenzwerten wie bei Erwachsenen orientiert, "da es keine anderen Normalwerte gibt."

Ähnlich ist es bei der Therapie, denn die meisten oralen Antidiabetika - Metformin hat neuerdings auch die Zulassung für Kinder ab zehn Jahren - sind nicht für Kinder zugelassen.

Kappellen: "Die erste Säule der Therapie ist Gewichtsreduktion und Lifestyle-Änderung. Wenn das nicht funktioniert, behandeln wir die Kinder mit Metformin oder Glibenclamid. Reicht das auch nicht, geben wir Insulin." Grundsätzlich, so rät Professor Bernhard Koletzko aus München, sollten solche Kinder in speziellen Ambulanzen behandelt werden.

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