Ärzte Zeitung, 28.06.2004

Sportlichen Diabetikern nützt Sandwich-Einlage

Die Oberfläche ist weich, und der Unterbau stabilisiert das Fußlängsgewölbe / Patienten können Zuschuß bekommen

NEU-ISENBURG (ner). Wie lang? Wie breit? Was für Einlagen? Geeignetes Schuhwerk ist für Diabetiker, die Sport treiben wollen, wichtig. Hausärzte kommen nicht umhin, hin und wieder auch hierzu Fragen zu beantworten, etwa bei Patienten mit Polyneuropathie. Ein wichtiger Tip ist dann etwa: Sportschuhe sollten eine individuell angefertigte Einlegesohle haben.

Spezielle Einlegesohlen - vom Orthopädietechniker vorbereitet - geben den Füßen ausreichend Halt. Foto: Klaro

"Der Sportschuh muß einerseits guten Halt geben, das Fußlängsgewölbe stützen und die Ferse umfassen", so Dr. Gerhard Fleischner, Sportmediziner und Orthopäde aus Schliersee zur "Ärzte Zeitung". Andererseits sollte der Schuh, besonders das Oberleder, weich genug sein und keine Falten schlagen, wie das oft im Bereich der Schnürleiste der Fall ist.

Nahtstellen, Lederkanten oder gar Metallösen sind Gift für Diabetiker-Füße. Die Zehen sollten vorne mindestens einen halben Zentimeter Raum haben. "Seitlich dagegen muß der Schuh schlüssig passen, sonst fängt der Fuß beim Laufen an zu rutschen", so Fleischner.

Der Sportmediziner und Orthopäde rät zudem, Diabetikern eine Sporteinlage zu empfehlen, die optimalerweise vom Orthopädietechniker angefertigt wird. Denn eine Spätfolge bei Diabetes ist die Osteoarthritis, bei der das Fußgewölbe in sich zusammensinkt. Sportschuhe hätten meist zu weiche Einlegesohlen aus Schaumstoff, so Fleischner, konventionelle Sporteinlagen seien dagegen oberflächlich zu hart. Empfehlenswert seien deshalb sogenannte Sandwich-Einlagen. Deren Oberfläche ist weich und der Unterbau stabilisiert das Fußlängsgewölbe.

Wichtig: Die Einlage darf nicht im Vorfußbereich enden, sondern sollte von den Zehen bis zur Ferse reichen. Die Original-Einlage wird aus dem Schuh entfernt, die individuelle Einlage eingelegt.

Die Sportsocken sollten aus Baumwolle sein, betont Fleischner. Denn Strümpfe aus Kunsttextilien bildeten beim Schwitzen Falten.

Zuschuß für spezielle Einlagen und Sportschuhe

Speziell angefertigte Schuhe für Patienten mit Diabetes mellitus (Diabetes-adaptierte Fußbettung) sind nach Auskunft der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Frankfurt am Main nach Kostenvoranschlag durchaus zuschußfähig, wenn gleichzeitig eine der folgenden Diagnosen besteht: Polyneuropathie, Angiopathie, Ulkus, Gangrän, Fuß-Teilamputation.

Liegt eine ärztliche Bescheinigung vor, daß der betreffende Patient aus therapeutischen Gründen Sport treiben sollte, werden nach der aktuellen Regelung auch Sportschuhe bezuschußt.

Die Patienten zahlen einen Eigenanteil von 76 Euro, bei Sportschuhen von 40 Euro, plus jeweils die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro pro Paar.

Kaufen sich Diabetiker handelsübliche Sportschuhe und sind dafür jedoch spezielle Einlagen nötig, wird nach Angaben der Krankenkasse lediglich die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro fällig. (eb)

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