Ärzte Zeitung, 16.12.2004

Neue Initiative will Akzeptanz von Insulin fördern

Kampagne "Besser leben - dank Insulin" / Befragung: Bei Patienten und Ärzten gibt es noch emotionale Barrieren

HANNOVER (grue). Obwohl viele Typ-2-Diabetiker Insulin brauchen, wird die Spritzentherapie lange hinausgezögert. Patienten haben Angst davor und Ärzte finden sie zu kompliziert.

Kann der Stoffwechsel eines Diabetikers durch Diät, Bewegung und orale Medikamente nicht ausreichend eingestellt werden, gibt es keine Alternative zum Insulin. Allerdings wird der Wechsel zum Insulin offenbar häufig hinausgezögert, denn die CODE-2-Studie (Costs of Diabetes in Europe-Typ 2) hat ergeben, daß in Deutschland 74 Prozent der Typ-2-Diabetiker einen HbA1C-Wert oberhalb des Grenzwertes von 6,5 haben.

"Es gibt Barrieren gegenüber Insulin bei den Patienten, aber auch bei den Hausärzten", sagte Professor Burkhard Göke aus München auf einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis und Pfizer in Hannover. Eine Querschnitts-Befragung bei 730 Allgemeinmedizinern und Internisten sowie deren Patienten hat das bestätigt. Wie Göke berichtete, wurden dazu 8000 Fragebögen zur Diabetestherapie verschickt, die Rücklaufquote betrug zehn Prozent.

Über die Hälfte der befragten Typ-2-Diabetiker mit Insulinerfahrung zogen diese Therapie blutzuckersenkenden Tabletten vor, so Göke. Unabhängig davon fanden sie die Spritzentherapie nicht besonders schwierig. Ihren Diabetes stuften sie als schwere Erkrankung mit hohem Risiko für Komplikationen ein.

Anders die nicht-insulinbehandelten Diabetiker: Sie hielten ihre Krankheit im Mittel für weniger bedrohlich und sahen genug Behandlungsalternativen zum Insulin. "Etwa ein Viertel dieser Patienten sagten auch, sie hätten einfach Angst vor Insulin", so Göke. Sie fürchten sich vor Schmerzen beim Injizieren und beim Blutzuckermessen. Göke vermutete, daß viele Patienten ohne vernünftigen Grund auf eine gute Blutzuckereinstellung verzichten. Aber auch Ärzte hätten Vorbehalte.

"Erschreckend viele Erstversorger halten die Insulintherapie für sehr komplex", so Göke. "Sie vermuten, daß ihre Patienten damit nicht zurecht kommen." Um die Akzeptanz von Insulin zu verbessern, haben die beiden Pharmafirmen mit anderen Partnern eine Kampagne unter dem Motto "Besser Leben - dank Insulin" gestartet. Sie hat das Ziel, emotionale Barrieren gegen eine medizinisch notwendige Insulintherapie abzubauen.

Infomaterialien gibt es unter: www.besser-leben-dank-insulin.de

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