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Ärzte Zeitung, 17.02.2005

Glitazone bei Herzinsuffizienz - falscher Alarm?

Bei Diabetikern mit Pumpschwäche kontraindiziert / Sterblichkeitsrate wird möglicherweise sogar gesenkt

DENVER (ob). Gegen die Verordnung von Glitazonen und Metformin bei Diabetikern mit Herzinsuffizienz bestehen Bedenken - möglicherweise zu unrecht. Denn Ergebnisse einer neuen Studie sprechen dafür, daß diese oralen Antidiabetika die Mortalität bei Diabetikern mit kardialer Pumpschwäche nicht etwa erhöhen, sondern senken könnten.

Glitazone wie Rosiglitazon oder Pioglitazon und das Biguanid Metformin verringern auf unterschiedliche Weise die Insulinresistenz. Eine Behandlung mit Glitazonen kann zu - meist peripher lokalisierten - Ödemen führen. Aufgrund der Sorge, daß die Flüssigkeitsretention eine bestehende Herzinsuffizienz verstärken könnte, gelten diese Substanzen bei eingeschränkter kardialer Pumpfunktion als kontraindiziert. Da eine durch schwere Herzinsuffizienz bedingte Gewebshypoxie das Laktazidoserisiko erhöhen könnte, hält man auch Metformin hier für nicht angezeigt.

Ungeachtet der Warnungen wird in der Praxis offenbar vielen Diabetikern trotz bestehender Herzinsuffizienz Metformin oder ein Glitazon verordnet. So kam eine Arbeitsgruppe um Dr. Frederick Masoudi aus Denver kürzlich bei der Analyse von US-Patientendaten zu dem Ergebnis, daß bis zu 25 Prozent aller wegen Herzinsuffizienz behandelten Diabetiker eines dieser oralen Antidiabetika erhielten.

Dieselbe Arbeitsgruppe hat deshalb jetzt in einer neuen Studie untersucht, welchen Einfluß diese im Gegensatz zu den Empfehlungen stehende Praxis auf die Prognose der Patienten hat (Circulation 2005; 111: 583). Zu diesem Zweck wurden retrospektiv die Daten von 16 417 älteren Diabetikern ausgewertet, die nach einem Klinikaufenthalt mit der Diagnose Herzinsuffizienz entlassen worden waren. Davon erhielten zum Zeitpunkt der Entlassung 2226 Patienten ein Glitazon und 1861 Metformin.

Die Ein-Jahres-Mortalitätsrate war sowohl bei Glitazon-Behandlung (30,1 Prozent) als auch bei Metformin-Therapie (24,7 Prozent) niedriger als in der Gruppe der 12 069 Diabetiker, die keines dieser Antidiabetika erhalten hatten (36,0 Prozent). Nach analytischer Berücksichtigung weiterer Einflußfaktoren kamen Masoudi und seine Kollegen zu dem Ergebnis, daß die Behandlung sowohl mit Glitazonen als auch mit Metformin mit einer signifikant um 13 Prozent respektive 14 Prozent niedrigeren Sterblichkeitsrate assoziiert war. Für die Sulfonylharnstoff- oder Insulin-Therapie fand sich keine entsprechende Assoziation.

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