Ärzte Zeitung, 06.04.2005

Gefährliches Duo: Diabetes und Koronarsyndrom

MANNHEIM (kat). Daß Diabetes die Manifestation und Progression einer KHK stark begünstigt, ist nicht neu. Wohl aber neu ist, daß eine Streßhyperglykämie ein deutlich höheres Risiko bedeutet als ein bekannter Diabetes. Ihre Bedeutung bei einem akuten Myokardinfarkt wird oft unterschätzt, würde aber die Identifikation von Risikopatienten erlauben, denen eine Maximaltherapie zuteil werden sollte.

Mit jeder weiteren Studie steigt die Zahl der Faktoren und Pathomechanismen, über die ein Typ-2-Diabetes an Herz und Gefäßen für Komplikationen sorgt. Auch beim Akuten Koronarsyndrom (ACS) gelte, daß ein Typ-2-Diabetes als unabhängiger Prädiktor für eine ungünstige Prognose zu bewerten sei, so Privatdozent Dr. Andreas Hamann von der Diabetes-Klinik GmbH in Bad Nauheim bei einem Satellitensymposium zum Kardiologenkongreß in Mannheim.

Je mehr Risikofaktoren - Alter über 65 Jahren, Kreatinin über 1,5 mg/dl, ST-Strecken-Senkung, Herzinsuffizienz und Insulin-Therapie - vorlägen, um so stärker erhöhe sich die 30-Tages-Sterberate der Diabetiker mit ACS. Ohne einen dieser Risikofaktoren beträgt sie 1,4 Prozent, mit nur einem Risikofaktor 2,3 Prozent, mit zweien 6,6 Prozent, mit dreien 9,6 Prozent und mit mindestens vier Risikofaktoren 14,8 Prozent.

Durch die Therapie mit einem GPIIb/IIIa-Antagonisten wie Tirofiban (Aggrastat®) kann bei diesen Patienten das Risiko, innerhalb von 30 Tagen zu sterben oder einen Reinfarkt zu bekommen, ungefähr halbiert werden, wie mehrere Studien belegt haben.

Bedrohlicher als ein Diabetes ist eine Streßhyperglykämie bei Krankenhausaufnahme. Denn das Sterberisiko eines Infarkt-Patienten, dessen Diabetes bekannt ist, ist im Vergleich zu Patienten mit Normoglykämie nur leicht erhöht. Anders ist dies bei Patienten mit Streßhyperglykämie (> 6-8 mmol/l, was 108 bis 144 mg/dl entspricht) bei Aufnahme; ihr relatives Risiko, während des stationären Aufenthaltes zu sterben, ist vierfach erhöht, wie eine Metaanalyse ergab.

Ähnlich hoch sei das relative Risiko für die Sterberate im Krankenhaus und die 30-Tage-Sterberate nach akutem Schlaganfall mit einer dreifachen Erhöhung. Nach Ansicht des Endokrinologen ist bei solchen Patienten eine Maximaltherapie gerechtfertigt. Diese kommt auch in einem Antrag der Fachgremien für die DRGs 2006 zum Ausdruck, die Zusatzentgelte für GPIIb/IIIa-Antagonisten beim Akuten Koronarsyndrom fordern.

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