Ärzte Zeitung, 09.05.2005

Darmhormon-Analogon bringt HbA1c-Wert ins Lot

Neue Substanz unterstützt orale Diabetes-Therapie

BERLIN (mar). Typ-2-Diabetiker, bei denen keine ausreichende Blutzuckereinstellung mit Metformin, mit einem Sulfonylharnstoff oder der Kombination beider Substanzen gelingt, profitieren von der zusätzlichen Therapie mit dem GLP-1-Agonisten Exenatide. HbA1c-Wert und Körpergewicht haben sich damit in drei Phase-III-Studien signifikant verringern lassen.

GLP-1 (glucagon like peptide) ist ein insulinotropes Hormon, das nach einer Mahlzeit von endokrinen Zellen des Darmepithels in den Blutkreislauf abgegeben wird. Es verstärkt glukoseabhängig die postprandiale Insulinsekrektion. Zugleich verlangsamt es die Magenentleerung, so daß es zu einer verzögerten Resorption im Dünndarm und somit zu einer abgeschwächten Stimulation der Insulinsekretion kommt.

Außerdem verringert GLP-1 den Appetit und trägt somit indirekt zur Gewichtsabnahme bei, hat Professor Michael Nauck aus Bad Lauterberg beim Deutschen Diabetes-Kongreß in Berlin berichtet. Bei Typ-2Diabetikern ist die GLP-1-Freisetzung vermindert, was eine verzögerte postprandiale Insulinantwort und somit erhöhte Blutzuckerspiegel zur Folge hat.

Mit Exenatide ist ein gentechnisch hergestellter GLP-1-Agonist entwickelt worden, der zweimal täglich subkutan injiziert werden muß, um ausreichend hohe Wirkspiegel zu erreichen. Die Substanz bindet an die GLP-1-Rezeptoren in der Bauchspeicheldrüse.

In drei Phase-III-Studien mit gleichem Studiendesign hat sich die neue Therapie bei Typ-2-Diabetikern mit unzureichender Stoffwechseleinstellung unter oralen Antidiabetika als erfolgreich erwiesen, wie Dr. Michael Trautmann von Lilly bei einem Symposium des Unternehmens erläutert hat. In den Studien erhielten die Patienten sechs Monate lang zur bisherigen Therapie entweder 5µg oder 10 µg Exenatide oder Placebo.

An einer Studie haben 340 adipöse Patienten teilgenommen, deren Blutzucker trotz hochdosierter Metformin-Therapie unzureichend eingestellt war. Der HbA1c-Wert betrug im Mittel zu Studienbeginn 8,2 Prozent. Nach 30 Wochen Zusatztherapie mit Exenatide war der HbA1c-Wert um 0,4 Prozentpunkte mit der niedrigen und um 0,9 Prozentpunkte mit der höheren Exenatide-Dosierung gesunken.

Bei etwa der Hälfte der Patienten gelang es mit der 10-µg-Dosis, den HbA1c-Wert unter sieben Prozent zu senken. Zudem nahmen die Patienten mit der 10-µg-Dosis im Schnitt um 2,8 kg, mit der 5-µg-Dosis um 1,6 kg ab.

Aufgrund dieser Studienergebnisse ist der neue Wirkstoff Ende April dieses Jahres in den USA zur Therapie von Typ-2-Diabetikern in Kombination mit oralen Antidiabetika zugelassen worden. Die EU-Zulassung soll Anfang 2006 beantragt werden.

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