Ärzte Zeitung, 09.05.2005

Schmerzen bei Diabetischer Polyneuropathie sind zu lindern

Mit Pregabalin setzt die Verminderung der Schmerzen in der ersten Therapiewoche ein / Patienten haben auch weniger Schlafstörungen

BERLIN (nie). Als wirksam bei der Behandlung von Patienten mit diabetischer Polyneuropathie hat sich Pregabalin erwiesen. Daran hat Professor Dan Ziegler beim Diabetes-Kongreß in Berlin erinnert. "In klinischen Studien wurde nachgewiesen, daß sich bei Verabreichung von Pregabalin die Schmerzscores im Vergleich zu Placebo um 50 Prozent verbessert haben."

Dies sagte der Diabetologe vom Deutschen Diabetes-Zentrum der Universität Düsseldorf beim Diabetes-Kongreß. Auch litten die an den Studien teilnehmenden Patienten weniger unter Schlafstörungen.

Die Substanz Pregabalin (Lyrica®) ist ein Gamma-Aminobuttersäure - Analogon. Sie wirkt auf den Calciumstrom in die Nervenzelle. Präklinische Modellversuche hatten gezeigt, daß bei neuronalen Überregungszuständen ein verminderter Calciumeinstrom zu einer reduzierten Freisetzung exzitatorischer Transmittersubstanzen , zum Beispiel Glutamat, führt. Pregabalin bindet selektiv und mit hoher Affinität an die alpha2-delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle auf Nervenzellen-Membranen und moduliert den Calciumstrom in die Nervenzelle.

Die schmerzlindernde Wirkung trete bereits in der ersten Woche der Medikamentenverabreichung ein, sagte Ziegler weiter. Die Behandlung für Erwachsene mit diabetischer Polyneuropathie beginnt im Allgemeinen mit 150 mg pro Tag, die unabhängig von den Mahlzeiten zwei oder drei Mal am Tag eingenommen werden.

Schon in der zweiten Woche kann die Dosis auf 300 mg am Tag, ab der dritten Woche auf 600 mg am Tag erhöht werden. "Pregabalin entfaltet bei Dosierungen von 300 mg und 600 mg die größte Wirkung", so Ziegler.

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion müsse die Dosis allerdings reduziert werden. Patienten, die sich einer Hämodialyse unterziehen, sollte anschließend eine Zusatzdosis verabreicht werden. Der Wirkstoff wurde in neun klinischen Studien maximal 12 Wochen lang untersucht. "Dabei gab es keine Hinweise auf eine Toleranzentwicklung", sagte Ziegler. In der Kombinationstherapie kann Pregabalin in reduzierter Dosierung ebenfalls wirksam sein.

Unerwünschte Wirkungen der Substanz entsprechen Ziegler zufolge etwa denen von Gabapentin. In erster Linie treten Benommenheit, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Übelkeit, Gewichtszunahme, periphere Ödeme, Mundtrockenheit und verschwommenes Sehen auf.

Pregabalin wird auch in Indikation Epilepsie als Zusatztherapie angewendet. Drei bisher unveröffentlichte Studien belegen, daß bei den Patienten mit partiellen epileptischen Anfällen, die mit 150 mg bis 600 mg Pregabalin behandelt wurden, im Vergleich zu den Patienten mit Placebo-Behandlung die Schmerzen deutlich reduziert wurden.

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