Ärzte Zeitung, 13.06.2005

Auf dem Speiseplan von Diabetikern fehlt oft Obst

Europäische Leitlinien zur Ernährung bei Diabetes mellitus wurden jetzt vorgelegt / Alkohol ist in Maßen erlaubt

BERLIN (grue). Die europäische Diabetes-Gesellschaft EASD (European Association For The Study Of Diabetes) hat Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention bei Diabetes mellitus herausgegeben, die jetzt auch in einer deutschen Version erschienen sind.

Gemüse und Obst sollten durchweg im Ernährungsplan von Patienten mit Diabetes mellitus enthalten sein. Foto: PhotoDisc

In der Leitlinie sind unter anderem Richtwerte für den Protein-, Fett- und Kohlenhydratbedarf von Diabetikern angegeben. Demnach sollen 10 bis 20 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien aus Eiweißen stammen, 45 bis 60 Prozent aus Kohlenhydraten und weniger als 35 Prozent aus Nahrungsfetten.

Für Typ-1-Diabetiker mit Mikroalbuminurie und für Typ-2-Diabetiker mit beginnender und manifester Nephropathie gibt es keine gesonderten Empfehlungen bezüglich Art und Menge der Proteinaufnahme.

"Nur Typ-1-Diabetiker mit klinischer Nierenerkrankung müssen die Eiweißaufnahme auf täglich 0,8 Gramm pro Kilogramm Normalgewicht begrenzen", sagte Professor Monika Toeller vom Diabetes-Zentrum in Düsseldorf bei der Vorstellung der neuen Leitlinie während der Diabetes-Tagung in Berlin. Bei den Kohlenhydraten gebe eine keinen Grund, ihren Anteil bewußt niedrig zu halten. Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte sollten durchweg im Ernährungsplan von Diabetikern enthalten sein, im übrigen hingen Menge, Art und Verteilung der Kohlenhydrate von der Medikation und den HbA1c-Werten ab.

Um eine hohe Ballaststoffaufnahme von etwa 40 Gramm pro Tag zu erreichen, müssen Diabetiker mindestens fünf Portionen ballaststoffreiches Gemüse oder Früchte essen und dazu viermal in der Woche Hülsenfrüchte. Leider hielten sich viele nicht daran, so Toeller, denn bei drei Befragungen von insgesamt 1500 Diabetikern kam heraus: Nur etwa die Hälfte ißt täglich Obst und Gemüse, nur ein Drittel greift wenigstens ein- bis zweimal wöchentlich zu Hülsenfrüchten.

Bei Zucker und Alkohol gibt es für Diabetiker ohne Begleiterkrankungen kaum über die üblichen Empfehlungen hinausgehende Restriktionen. Die Patienten sollten wie allgemein üblich nicht mehr als zehn Prozent ihres Kalorienbedarfs mit Zucker abdecken. Auch Alkohol ist in Maßen erlaubt (Frauen bis zu zehn, Männer bis zu 20 Gramm täglich; etwa ein Viertel Liter Wein enthält bereits 30 Gramm). Insulinbehandelte Diabetiker sollten ihn aber immer zusammen mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu sich nehmen.

Die EU-Leitlinie (Nutr Metab Cardiovasc Dis 14, 2004, 373) wurde von einem Autorenteam unter Toellers Leitung in Abstimmung mit Fachgesellschaften bearbeitet und in "Diabetes und Stoffwechsel" publiziert (2, 2005, 75).

Lesen Sie auch:
Eine Kost, bei der der Blutzucker nur langsam steigt, ist für Diabetiker ideal

Lesen Sie dazu auch:
Eine Kost, bei der der Blutzucker nur langsam steigt, ist für Diabetiker ideal

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »