Ärzte Zeitung, 02.09.2005

Japanische Forscher entdecken neues Hormon im Bauchfett

Visfatin möglicherweise an der Entstehung des metabolischen Syndroms beteiligt / Ähnliche Wirkung wie Insulin / Nachweis im Serum

OSAKA (ars). Japanische Forscher haben im viszeralen Fettgewebe ein neues Hormon entdeckt, das Visfatin. Es wirkt ähnlich wie Insulin und könnte bei der Entstehung des metabolischen Syndroms bedeutsam sein: Sowohl das Risiko für diese Störung als auch die Visfatin-Spiegel im Plasma steigen mit der Zunahme des Eingeweidefetts.

Als größtes endokrines Organ des Körpers steuert das Fettgewebe die Homöostase und den Stoffwechsel von Fetten und Zuckern. In den vergangenen Jahre wurden immer mehr Hormone entdeckt, die an dieser Regulation beteiligt sind: die Adipokine, darunter das bekannte Leptin.

Nun sind Dr. Atsunori Fukuhara und seine Arbeitsgruppe von der Universität Osaka einem neuen Mitglied dieser Hormonfamilie auf die Spur gekommen, dem Visfatin (Science 307, 2005, 426).

Gebildet wird es vor allem von jenem Fettgewebe, das die Bauchorgane umgibt, und dort kommt es bei Menschen - und Mäusen - auch in recht hohen Konzentrationen vor. Die Visfatin-Spiegel im Serum steigen genau parallel zum Anstieg der Menge an Eingeweidefett, wie die Forscher feststellten, als sie bei etwa 100 Männern und Frauen die Menge an Fettgewebe mit Hilfe von CT-Aufnahmen abschätzten.

Weiterhin stellte sich heraus, daß Visfatin ähnlich wirkt wie Insulin: Nachdem die Forscher diabetischen Mäusen dieses Adipokin injiziert hatten, sank der Glukosespiegel im Plasma ähnlich wie nach der Injektion von Insulin. Ebenso wie Insulin regt Visfatin in der Kulturschale Fett- und Muskelzellen dazu an, Glukose aufzunehmen, und hindert Hepatozyten, Glukose freizusetzen.

Visfatin bindet auch an den Insulinrezeptor, allerdings an einer anderen Stelle als Insulin. Die Serumspiegel von Visfatin sind niedrig: Sie betragen nur maximal ein Zehntel der Insulinspiegel und ändern sich durch Nahrungsaufnahme nicht. Daher, vermuten die Forscher, trägt das Visfatin wohl nur wenig zur Senkung des Glukosespiegels bei.

Die Forscher überraschte, daß Visfatin mit einem bereits bekannten Wachstumsfaktor für frühe B-Lymphozyten (Pre-B-cell-colony enhancing factor, PBEF) identisch ist. Im Fettgewebe werden zum Teil die gleichen Gene abgelesen wie im Immunsystem, so daß viele Fachleute postuliert haben, daß die Fettzellen nicht nur Stoffwechselwege koordinieren, sondern auch Immunreaktionen.

Nach Ansicht der japanischen Forscher könnte Visfatin als wertvolles Modell für andere Insulin-ähnliche Moleküle dienen. Es ist auch deshalb bedeutsam, weil es vom Eingeweidefett gebildet wird, das als physiologisch bedenklicher gilt als Unterhautfett. Denn viszerales Fett ist möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für das metabolische Syndrom verbunden.

So sondert es mehr TNF-alpha und andere proinflammatorische Adipokine ab, aber weniger antidiabetische und entzündungshemmende Hormone als andere Fettspeicher. Aus den neuen Erkenntnissen erhoffen sich die Forscher Therapien für Stoffwechselstörungen.

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