Ärzte Zeitung, 19.09.2005

Neues orales Antidiabetikum senkt HbA1c, ohne das Gewicht zu erhöhen

Sitagliptin wird in Phase III geprüft / Europäischer Diabetes-Kongreß

ATHEN (sko). "Egal was man macht: Mit der Zeit steigt der HbA1c-Wert trotz Behandlung." Aus diesem Grund seien neue Therapie-Strategien gegen Typ-2-Diabetes dringend nötig, meint Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg. Beim Diabetes-Kongreß in Athen stellte er eine neue Sub-stanz vor, die Hoffnungen weckt: den DDP-IV-Hemmer Sitagliptin.

Inkretine sind Darmhormone, die abhängig von der oralen Glukose-aufnahme nach einer Mahlzeit aus-geschüttet werden und den Blutzu-ckerspiegel regulieren. Ein wichtiges Inkretin ist das GLP1 (Glucagon-like-Peptid 1), das in speziellen Zellen in Ileum und Jejunum gebildet wird. Die Mechanismen, über die es blut-zuckersenkend wirkt, sind vielfältig.

Dazu gehört vor allem die Stimulati-on der Insulinsekretion im Pankreas, aber auch die Unterdrückung der Glukagon-Sekretion, die Verlangsa-mung der Magenentleerung oder die Verminderung von Hungergefühl. Und es wird noch eine weitere Wir-kungsweise von GLP1 diskutiert: "Im Tierversuch hat es Hinweise darauf gegeben, daß das Inkretin sowohl die Zahl der Betazellen im Pankreas erhöht, als auch ihre Funktion verbessert", sagte Nauck.

In den USA ist mit dem GLP1-Agonisten Exenatide das erste Präparat aus der Klasse der Inkretin-Mimetika bereits zugelassen (wir berichteten). Doch Exenatide muß subkutan gespritzt werden. Ein weiteres Medikament, das den Inkretin-Spiegel beeinflußt, ist Sitagliptin, das aber einen anderen Wirkmechanismus hat und als Tablette geschluckt werden kann.

Sitagliptin hemmt das Enzym DDP-IV, das GLP1 in Minutenschnelle inaktiviert. Durch die Enzymhemmung wird nur in Abhängigkeit der aufgenommenen Glukose der GLP1-Spiegel erhöht und der Blutzuckerspiegel gesenkt, ohne daß die Gefahr für Hypoglykämien droht.

Dr. Peter Stein aus der klinischen Forschungsabteilung des Unterneh-mens MSD stellte bei einem Satelli-tensymposium des Unternehmens in Athen eine Phase-II-Studie mit Sitagliptin vor. Darin nahmen 743 Typ-2-Diabetiker, bei denen die Blutzuckerwerte durch Diät und Bewegung nicht ausreichend gesenkt werden konnten, entweder Placebo, zweimal täglich Sitagliptin in den Dosierungen 5 mg, 12,5 mg, 25 mg oder 50 mg oder ein Sulfonylharnstoff ein.

"Nach zwölf Wochen Behandlung hat Sitagliptin den HbA1c-Wert im Vergleich zu Placebo signifikant gesenkt", berichtete Stein. Bei den Patienten, die täglich zweimal 50 mg des Wirkstoffs eingenommen hatten, betrug die HbA1c-Reduktion 0,77 Prozent, mit dem Sulfonylharnstoff 1 Prozent. Allerdings nahmen die Patienten der Vergleichsgruppe im Schnitt um 1,1 kg zu, mit Sitagliptin wurde hingegen keine Gewichtszunahme beobachtet.

Die Entwicklung des neuen Medikaments geht voran: "Inzwischen laufen auch Phase-III-Studien in denen Sitagliptin allein oder zusammen mit Metformin geprüft wird", berichtete Stein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »