Ärzte Zeitung, 10.10.2005

Neues inhaliertes Insulin ist effektiv wie gespritztes

Daten einer Phase-II-Studie

ATHEN (hbr). Für Patienten mit Typ-1-Diabetes ist ein inhalierbares Bolusinsulin ebenso effektiv wie subkutan injiziertes Mahlzeiteninsulin: Der erreichte HbA1c unterscheidet sich nicht.

Das belegt eine dreimonatige Über-Kreuz-Studie der Phase II, die Professor Satish Garg aus Denver im US-Staat Colorado beim europäischen Diabeteskongreß in Athen vorgestellt hat. Geprüft wurde die Wirkung des inhalierbaren Bolusinsulins HIIP (Human Insulin Inhalation Powder) von Lilly/Alkermes. Es wird mit einem handlichen, Textmarker-großen Inhalationssystem eingeatmet.

Inhalierbares Insulin wurde als Bolus genommen

An der Untersuchung beteiligten sich 137 Typ-1-Diabetiker. Ihr mittlerer HbA1c betrug 8,1 Prozent, das mittlere Alter 39 Jahre. Ein Drittel der Patienten injizierte als schnell wirksames Bolusinsulin ein humanes Normalinsulin, zwei Drittel injizierten das Analogon Insulin lispro. Den Basalbedarf deckte ein langwirksames Insulinanalogon ab.

Nach sechs Wochen wurden die Teilnehmer per Zufall auf zwei Gruppen aufgeteilt: Die Teilnehmer in Gruppe 1 erhielten zunächst als Bolusinsulin das neu entwickelte HIIP. In der zweiten Phase wechselten die Patienten wieder zur Bolustherapie per Spritze. Beide Behandlungsformen wurden jeweils drei Monate lang gemacht. Die Patienten der Gruppe 2 gingen in umgekehrter Reihenfolge vor.

HbA1c-Werte unterscheiden sich nicht

Das Ergebnis: Mit inhalierbarem Insulin wurde mit 8 Prozent der nahezu der gleiche HbA1c-Wert wie bei einer Injektion mit 8,1 Prozent erreicht. Ein Blutzucker-Tagesprofil mit sieben Meßpunkten war nicht signifikant verschieden. Nur der Nüchternwert war bei inhalierbarem Insulin um 17 mg/dl niedriger. In der Insulin lispro-Subgruppe waren die besseren HIPP-Nüchternwerte verbunden mit mehr nächtlichen Hypoglykämien. Offenbar sollte also die basale Insulinversorgung angepaßt werden, so Garg bei einer Veranstaltung von Lilly.

Die Raten schwerer Hypoglykämien mit Fremdhilfe waren gleich. Insgesamt stieg die Hypoglykämierate in den ersten vier Wochen mit der ungewohnten Applikationsform, ging dann aber wieder auf das Niveau wie bei Injektionen zurück. Nicht unerwartet trat öfter ein Husten auf. Dennoch wollten 80 Prozent nach der Studie ihr Insulin lieber weiter einatmen.

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