Ärzte Zeitung, 11.11.2005

Neues Pankreas erleichert Typ-1-Diabetikern das Leben

Für Diabetiker mit transplantierter Bauchspeicheldrüse ist Immunsuppression nicht besonders belastend / Neues Organ funktioniert oft viele Jahre

LEIPZIG (scho). Für Patienten mit Diabetes Typ 1 ist eine Pankreas-Transplantation eine effektive Therapie. Doch nicht nur das. Viele Studien belegen auch eine verbesserte Lebensqualität nach einer solchen Transplantation. Die meisten Patienten würden sich erneut dafür entscheiden - auch, weil sie die kontinuierliche Immunsuppression als weniger belastend erleben als die Insulin-Injektionen.

Eine Pankreastransplantation wird bei über 90 Prozent der Patienten als simultane Pankreas-Nierentransplantation gemacht. Eine Bauchspeicheldrüse bekommen meist Patienten, die bereits eine diabetische Nephropathie haben.

Früher war die Abstoßung der Bauchspeicheldrüse innerhalb des ersten Jahres ein Problem. Heute werden bei der simultanen Pankreas-Nierentransplantation nur noch knapp zwei Prozent der Organe akut abgestoßen.

Das berichtete Professor Ulrich Theodor Hopt von der Chirurgischen Universitätsklinik Freiburg bei einem Symposium in Leipzig. Die Zehn-Jahres-Funktionsrate von Bauchspeicheldrüsen liege bei über 60 Prozent, so Hopt. Zum Vergleich: Die Zehn-Jahres-Funktionsraten bei transplantierten Nieren gab der Chirurg mit 44 Prozent an.

Grund für die errechnete gute Funktionsrate der Bauchspeicheldrüsen: Es wird nur die endokrine Funktion gemessen, weil die für die Diabetiker wichtig ist. Diese Funktion ist auch dann oft noch gut, wenn das transplantierte Organ atrophisch ist, was übrigens oft vorkommt. Die exokrine Pankreasfunktion geht meist weitgehend verloren. Der Grund dafür sei noch unklar, sagte Hopt.

Im Gegensatz zu Patienten mit Nierentransplantation, bei denen sich die Funktionsreserve relativ leicht mit Hilfe des Kreatinins bestimmen läßt, ist bei der Bauchspeicheldrüse eine Funktionsanalyse nicht ganz so einfach. Wie kann man etwa abschätzen, ob eine transplantierte Bauchspeicheldrüse auch langfristig funktionieren wird? Zum Beispiel mit einem oralen Glukosetoleranz-Test (OGT).

Die Arbeitsgruppe um Hopt stellte fest, daß bei Patienten, die kurz nach der Transplantation eine eingeschränkte Glukosetoleranz im OGT aufweisen, das Organ auch langfristig häufig schlecht funktioniert. So lassen sich mitunter schon früh solche Patienten identifizieren, die ein größeres Risiko haben, erneut insulinpflichtig zu werden.

Ebenfalls eine schlechtere Prognose haben Patienten, die bereits vor der Transplantation eine Makroangiopathie haben. Wenn Patienten vor der Transplantation bereits einen Myokardinfarkt hatten, ist das Risiko, frühzeitig zu sterben, fünffach erhöht im Vergleich zu Patienten ohne Infarkt.

3,7fach erhöht ist das Risiko bei Patienten, bei denen vor der Transplantation etwa ein Fuß amputiert werden mußte. Daher sollten Patienten möglichst eine Bauchspeicheldrüse erhalten, bevor sie eine Makroangiopathie haben, sagte Hopt.

Eine Alternative zur Pankreastransplantation ist die Inselzelltransplantation. Bei diesem Verfahren werden Inselzellen aus Bauchspeicheldrüsen im Labor isoliert. Die Zellen werden dann als Suspension unter Ultraschallkontrolle in die Portalvene infundiert.

Wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens sind die geringe Invasivität und die relativ wenigen Komplikationen. Ein Problem ist jedoch noch, daß die so transplantierten Inselzellen offenbar nur kurze Zeit funktionieren. Denn die meisten so behandelten Patienten sind nur kurz unabhängig von Insulin.

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