Ärzte Zeitung, 14.12.2005

Blutzucker-Selbstmessung schützt vor Komplikationen

Daten der ROSSO-Studie vorgestellt / 30 Prozent weniger Komplikationen bei Selbstmessung / Blutzucker-Selbstmessung in Leitlinen aufgenommen

DÜSSELDORF (Rö). Bei Typ-2-Diabetikern, die ihren Blutzucker selbst messen, sind Morbiditäts- und Sterberaten vermindert. Dies hat eine deutsche multizentrische retrospektive Kohortenstudie ergeben.

Profitiert für die Langzeitprognose haben dabei auch solche Patienten, die eine orale blutzuckersenkende Therapie hatten, aber kein Insulin spritzten. Die Daten der ROSSO-Studie, die dies belegen, hat Professor Stephan Martin vom Deutschen Diabetes-Zentrum an der Universität Düsseldorf beim Medica-Kongreß vorgestellt.

In der Studie waren Daten von 3268 Patienten retrospektiv ausgewertet worden. Ein Studienendpunkt war die Rate Diabetes-assoziierter Erkrankungen. Berücksichtigt wurden dabei Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputation, Erblindung und Dialysebehandlung. Ein weiterer Endpunkt war die Sterberate. Im Mittel wurden die Daten über 6,5 Jahre erhoben.

    Die Sterberate bei Typ-2-Diabetes wird nahezu halbiert.
   

Nahezu die Hälfte der Typ-2-Diabetiker machten die Selbstmessungen für mindestens ein Jahr. Insgesamt hatten ein nicht tödliches Ereignis neun Prozent der Patienten, 3,7 Prozent starben. Bei den Raten beider Endpunkte gab es zwischen den Patienten, die maßen und denen, die nicht maßen, signifikante Unterschiede.

So hatten ein nicht-tödliches Ereignis 7,2 Prozent derer, die selbst maßen, jedoch 10,4 Prozent derer, die dies nicht taten. Ein ebenfalls signifikanter Unterschied ergab sich bei den Sterberaten: Mit Selbstmessung betrug die Rate 2,7 Prozent, ohne Selbstmessung 4,6 Prozent.

Wie ist dieser Effekt zu erklären? Wie Martin sagt, haben Patienten, die selbst messen, mehr Bewußtsein für ihre Krankheit und sind stärker motiviert, ihr Leben danach auszurichten. Und sie lernen es, Situationen zu vermeiden, die ungünstige Blutzuckerwerte zur Folge haben.

Die mit der ROSSO-Studie weiter verbesserte Datenlage zum Nutzen der Blutzucker-Selbstmessung hat sich jetzt in der Global Guideline for Typ 2 Diabetes 2005 der International Diabetes Federation niedergeschlagen.

In der Guideline wird jeweils zwischen "Standard care", einer Standard-Versorgung also, und "Comprehensive care", einer Vollversorgung, unterschieden. Nach Ansicht der Autoren der Leitlinie sollte eine Comprehensive care in Ländern mit vernünftigen medizinischen Resourcen angeboten werden.

Zur Comprehensive care von Typ-2-Diabetikern gehört die Blutzucker-Selbstmessung in jedem Fall. Bei der Standard care wird eine Blutzuckerselbstmessung nach der Diagnose empfohlen, außerdem generell bei Insulintherapie.

Und Patienten mit oraler Therapie sollte die Messung empfohlen werden, um Informationen über Hypoglykämien zu bekommen, um Glukoseentgleisungen bei Änderungen der Therapie oder des Lebensstils einzuschätzen und um Veränderungen bei vorübergehenden Erkrankungen festzustellen.

Ausführliche Informationen zu Diabetes in einem Essay im Springer Lexikon Medizin.

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