Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Insulintherapie ab 100 mg / dl - das schützt Gefäße optimal

Interaktive Fortbildungsveranstaltungen speziell für Hausärzte / Praxisrelevante Tips zu Diabetes und Infos zur E-Card

FRANKFURT AM MAIN (gwa). Viel mehr als selbst von Optimisten erwartet, nämlich mehr als 600 Kollegen, waren zur Deutschland-Premiere der Fortbildungsveranstaltungsreihe von Pri-Med nach Frankfurt am Main gekommen. Die Teilnehmer bekamen praxisrelevante Informationen zu wichtigen Themen wie Diabetes und elektronische Gesundheitskarte (E-Card).

Mehr als 600 Kollegen hörten bei Themen wie Diabetes und elektronische Gesundheitskarte gespannt zu. Foto: ts

Pri-Med ist einer der weltweit größten Anbieter von Fortbildungsveranstaltungen für Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten. Viele der Referenten sind selbst niedergelassen. Eine weitere Besonderheit der Veranstaltungen ist das interaktive Konzept: Kollegen können per TED-Umfrage, einer Abstimmung per Fernbedienung, ihre Meinung etwa zu Therapie-Vorschlägen abgeben. Außerdem beantworten die Referenten am Ende der Vorträge Fragen.

11 CME-Punkte gab es für die erfolgreiche Teilnahme

"Die Fortbildungen sind vom Institut für hausärztliche Fortbildung geprüft und für gut befunden worden", sagte Hans Rodewald, Geschäftsführer von Pri-Med Deutschland, zur "Ärzte Zeitung", die Medienpartner ist. Für die Teilnahme in Frankfurt am Main gab es 11 CME-Punkte - wenn man die 15 Prüffragen zur Lernerfolgskontrolle am Ende der Veranstaltung überwiegend richtig beantwortet hatte.

Praktische Tips zu Diabetes gab Professor Hellmut Mehnert. Fotos: ts

Ziel sind HbA1c-Werte von 6,5 maximal, betonte Dr. Richard Daikeler.

Ein praxisrelevantes Update zu Diabetes lieferten der Nestor der Diabetologie in Deutschland, Professor Hellmut Mehnert aus München, und der niedergelassene Diabetologe Dr. Richard Daikeler aus Sinsheim. Bei der Behandlung von Typ-2-Diabetikern ist "die Personenwaage wichtiger als die Küchenwaage", sagte Mehnert. Denn: Fast 85 Prozent der Betroffenen sind übergewichtig. Also sollte die Umstellung des Lebensstils (Ernährung, mehr Bewegung) am Beginn der Therapie bei adipösen Typ-2-Diabetikern stehen. Bei diesen Worten stöhnte so mancher Kollege im Auditorium auf. Mehnert kennt die Nöte: "Die Compliance ist gering." Klappt es mit der Lebensstil-Änderung nicht, sollte man rasch eine Therapie mit oralen Antidiabetika (OAD) beginnen. Dabei gilt: Die Kombibehandlung ist erste Wahl.

Reicht das für eine gute Stoffwechselkontrolle nicht aus - Ziel ist ein HbA1c-Wert von 6,5 oder darunter - werden OAD mit Insulin kombiniert. Um die Gefäße optimal zu schützen, sollte man der Leitlinien-Empfehlung zur Diabetestherapie folgen und bereits bei einem Nüchternblutzucker von 100 mg / dl mit einem Basalinsulin beginnen, erinnerte Daikeler. Das hätten vor der Veranstaltung nur sechs Prozent der Kollegen gemacht, ergab die TED-Umfrage.

Aber auch kurzwirksame Insuline sind eine Option: "Ein Schuß schnellwirksames Altinsulin zur Schwarzwälder Torte, und die Sache ist gegessen", so Daikeler. Auch für Mehnert sind kurzwirksamen Insuline ein wichtiger Therapie-Baustein: "Je jünger und je schlanker ein Typ-2-Diabetiker ist, umso eher sollte man diese Option wahrnehmen", so Mehnert. Kritisch sieht er die geplante Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuß zum Einsatz kurzwirksamer Insulin-Analoga: Ärzte dürften diese Analoga in Zukunft nur noch dann zu Lasten der gesetzlichen Kassen verordnen, wenn Patienten damit schon behandelt werden.

Wie auch immer therapiert wird, wichtig ist der Blick auf die Füße der Diabetiker. "Sagen Sie Ihren Patienten: keine engen Schuhe und nur Strümpfe ohne Naht anziehen; Füße mit 37-Grad-warmen Wasser waschen; keine Bürsten benutzen; einmal täglich die Füße ansehen mit Hilfe eines Spiegels; bei Druckstellen sofort zum Hausarzt gehen," so Mehnert.

Reizthema E-Card: "Wer soll das bezahlen? Wir!"

Die elektronische Gesundheitskarte (E-Card) ist und bleibt ein Reizthema. Einen schweren Stand hatte Diplom- Kaufmann Uwe Meyer-Vogelgesang von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der die möglichen Vorzüge einer solchen Karte erläutern wollte. 87 Prozent der Teilnehmer erklärten per TED-Umfrage, daß sie davon ausgehen, daß die Einführung und die damit verbundene technische Umrüstung die Praxisabläufe weiter behindern, störanfälliger und komplizierter machen werden.

Außerdem werden Kosten befürchtet: Man braucht etwa ein aktuelles Betriebssystem (ab Windows 2000) oder ein Praxisnetzwerk, einen Konnektor und ein neues Lesegerät. "Wer soll das bezahlen?", rief eine Kollegin. "Wir! Wie immer!" war die vielstimmige Antwort.

Da war es nur ein schwacher Trost, daß die E-Card zunächst gestaffelt in Testregionen eingeführt wird und der Zeitplan schon um sechs Monate verschoben ist.

Weitere Infos und Anmeldung bei: Pri-Med Deutschland, Bettinastr. 35-37, 60325 Frankfurt / Main, Tel.: 018 05 / 873 283, Fax: 0 18 05 / 000 979, www.Pri-Med.de, E-Mail: Anmeldung@Pri-MedUpdates.de oder im Internet unter www.Pri-Med.de

Die nächsten Termine sind am:

  • 17. Mai in Essen,

  • 27. September in Hamburg,

  • 25. Oktober in Berlin,

  • 8. November München.

    In diesem Jahr erhebt Pri-Med Deutschland keine Teilnahmegebühr.

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