Ärzte Zeitung, 11.09.2006

Insulin-Analogon bremst die Gewichtszunahme

Mit Insulindetemir gelingt bei sehr adipösen Patienten sogar Gewichtsabnahme / Wirkung im Gehirn vermutet

LEIPZIG (grue). Mit dem langwirksamen Insulinanalogon Insulindetemir nehmen Diabetiker weniger an Gewicht zu als mit NPH-Insulin. Das könnte mit erhöhten Insulinspiegeln im ZNS zusammenhängen.

Ein Diabetiker spritzt sich subkutan ein Antidiabetikum. Das Analogon Insulindetemir wirkt sich günstiger auf das Gewicht aus als basales Humaninsulin. Foto: dpa

Insulindetemir (Levemir®) bremst vermutlich durch verstärkte Insulinwirkung im ZNS die Gewichtszunahme. Denn hohe intrazerebrale Insulinspiegel wirken appetithemmend, wie Professor Hans-Ulrich Häring von der Universität Tübingen auf einer Veranstaltung des Unternehmens Novo Nordisk in Leipzig gesagt hat.

Insulindetemir gelangt leicht ins Gehirn und stimuliert dort Insulin-Signalmoleküle, wie Häring berichtete. In Studien konnte belegt werden, daß Typ-1- und Typ-2-Diabetiker bei gleicher Blutzuckereinstellung mit Insulindetemir signifikant weniger zunehmen als mit basalem Humaninsulin. Grund dafür ist nicht nur die besondere ZNS-Wirkung des Wirkstoffs, sondern vermutlich auch dessen besonders gleichmäßige Insulinwirkung.

"Das führt zu niedrigen Nüchtern-Blutzuckerwerten und einer verminderten Hypoglykämierate, was sich ebenfalls günstig auf das Gewicht auswirken dürfte", so Häring. Bei sehr adipösen Typ-2-Diabetikern führt Insulindetemir sogar zu einer Gewichtsabnahme, wie aus einer bei der Veranstaltung vorgestellten Studie hervorgeht.

Darin nahmen Diabetiker mit einem mittleren BMI von 30 kg/m2 während einer sechsmonatigen Basis-Bolus-Therapie mit NPH-Insulin im Mittel 1,2 kg zu, mit Insulindetemir aber nur 0,4 kg. Sehr dicke Diabetiker mit einem BMI von über 35 kg/m2 nahmen mit Humaninsulin am meisten zu, nämlich fast 2,5 kg. Mit Insulindetemir nahmen sie dagegen leicht ab.

Ungeklärt ist dabei, ob sich die bessere Gewichtsentwicklung unter Insulindetemir auch metabolisch günstig auswirkt. "Am besten wäre es, die Patienten könnten damit Bauch- und Leberfett abbauen", sagte Häring. Denn dieser Fettanteil bedingt bekanntlich das hohe kardiovaskuläre Risiko von Typ-2-Diabetikern. So besehen sei eine gesunde Lebensführung mit Sport und Diät nach den bisher vorliegenden Daten am effektivsten.

Weitere Informationen zu Diabetes gibt es im Internet unter der Adresse www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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